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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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555 Die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino und Betreuung deckten zwei sensible Felder ab, die trotz ihrer Vorteile aber stets auch die Rückständigkeit Südtirols markierten. Die Subsidiarität Tirols in diesen Bereichen war gewiss erfreulich und unverzichtbar, sie rückte aber auch ins Bewusstsein, dass es der Provinz Bozen bis 1997 an einer eigenen Universität ebenso mangelte wie an einer in allen Bereichen exzellenten medizinischen Versorgung, trotz beachtlicher Aufholprozesse der Kranken- häuser in Südtirol. Die Kanäle der Verbindung und das großzügige Angebot des Nordens waren daher stets auch Signalmarken eines Mangels, der unter- gründig am Südtiroler Selbstbewusstsein nagte. Jenseits der beiden Ebenen verliefen die Kontakte zwischen dem Bun- desland und der Autonomen Provinz durchwegs schütter: Aus der Sicht vie- ler Südtiroler waren Tirol und seine Hauptstadt Innsbruck vorab ein güns- tiges Einkaufsparadies und ein Ort vergünstigten Treibstoffbezugs, aber kein Aktionsraum landespolitischer Gemeinsamkeit und wechselseitiger Zugehörigkeit. Auffallend war seit den Jahren ab 1970, als die Südtirolfrage den Lösungsweg der Autonomie einschlug, eine wachsende Entfremdung zwischen den Landesteilen und ihren Gesellschaften. Während Tirol seinen Föderalismus ausbaute und sich wirtschaftlich in der Ära von Landeshaupt- mann Eduard Wallnöfer (1963–1987) beachtlich entwickelte29, gelang Südti- rols sozialer und gesellschaftlicher Situation erst ab Anfang 1970 ein kräftiger Sprung nach vorne. Nun wurden endlich die enormen, oft erschreckenden Entwicklungsrückstände überwunden, die die nördlichste Provinz Italiens zum „Armenhaus der Alpen“ degradiert hatten. Der Nebeneffekt des wirtschaftlichen Aufholprozesses war aber auch eine wachsende Entfremdung von Nordtirol, gegen das der Süden zuneh- mend selbstbewusst auftrat. Der neue Wohlstand in Südtirol weckte die Vor- stellung, dass man sich mit der Entwicklung der Autonomie nicht nur von Italien, sondern auch gegenüber Tirol freispielen könne, um nicht mehr auf die Sorge des „Mutterlands“ angewiesen zu sein, sondern selbstbewusst die eigenen Verhältnisse zu gestalten. Die Euregio-Annäherung ab 1995 machte die Differenzen deutlich, die bis in die späte Ära von Landeshauptmann Durnwalder um 2008/09 spürbar blieben. Denn bis dahin galt zwar weiterhin die offizielle Devise „geistig-kul- 29 Vgl. Gehler, Tirol im 20. Jahrhundert 319–335.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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