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IV.3 Salzburg: Salzburg (Stadt) – Bürgerspital, Bruderhaus und
Leprosenhaus (Kommentar Nr. 31–35)
Die Residenzstadt der Salzburger Erzbischöfe wies im Mittelalter und in der Frühen Neu-
zeit eine große Anzahl von Spitälern auf, die sich teilweise auch der Krankenpflege wid-
meten. Zu den Einrichtungen unter geistlicher Verwaltung zählten das Infirmarium von
St. Peter, das „Ambulatorium“ in Nonnberg (ein gesondertes Spital gilt in der Forschung
als umstritten), das Spital des Domkapitels, das Magdalenenspital des Klosters St. Peter
am Kai und das Nonnberger Spital bei der Erhardkirche. Die Stadt verwaltete das Lepro-
senhaus, das Bürgerspital St. Blasius, das Bruderhaus St. Sebastian, das Pesthäuschen und
das spätere Pestlazarett St. Rochus1. Im 19. Jahrhundert ließ der Magistrat im schlecht
beleumundeten „Kronhaus“ in der Griesgasse, ein Ort, der nicht im kollektiven Gedächt-
nis der Bürger/innen gespeichert wurde, zusätzlich Arme beherbergen2.
Als älteste karitative städtische Anstalt gilt – wenig überraschend – das Sundersiechen-
haus vor den Toren der Stadt in Salzburg Mülln, in unmittelbarer Nähe zur Salzach gele-
gen (die sonst häufige Bezeichnung Leprosenhaus ist in Salzburg erst im Jahr 1782 mehr-
fach nachgewiesen). Nach urkundlichem Erstbeleg aus dem Jahr 1298 beherbergte diese
frühe, vermutlich bereits im späten zwölften Jahrhundert existente Pflegeanstalt Schwa-
che und Lepröse. Wie in der Forschung zuletzt nochmals herausgestellt werden musste,
wurde aus einem Missverständnis das abgesunderte Siechenhaus in ein Arme Sunder Haus
= Siechenhaus uminterpretiert, obwohl kein direkter Zusammenhang zwischen den „ar-
men Sündern“ und der spezifischen Einrichtung in Salzburg nachzuweisen ist. Um dieses
Spital entsprechend finanziell zu dotieren, trugen nicht nur das Salzburger Bürgermilieu
und einige Landesherren bei, so Wolf-Dietrich von Raitenau, sondern auch Landadelige,
wie die großzügige Stiftung Gottschalks von Unzing aus dem Jahr 1298 deutlich belegt3.
Da auch Gülten und Erbschaften dem Spital zu Gute kamen, betrug das Fondsvermögen
um 1790 mehr als 92.000 fl. Das Haus bilanzierte mehr als erfolgreich, obwohl sehr hohe
Jahresbeträge für Fleisch (1774 761 fl.) zu Buche schlugen; erst in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts geriet auch das Leprosenhaus in eine finanzielle Krise4.
Um 1790 wurden kurzfristig noch arme Fremdlinge und auf der Straße hingefallene
Kranke5 versorgt, bis diese im St. Johanns-Spital (heute Salzburger Landeskrankenanstalten)
oder in einer anderen Institution behandelt werden konnten. Die 47 Siechlinge wohnten
zu dieser Zeit in einem umgebauten und den jeweiligen Notwendigkeiten adaptierten Ge-
bäude. Der berühmte bayerisch-salzburgische Aufklärer Lorenz Hübner beschrieb es fol-
gendermaßen: „Zur rechten an der Salza, ein 4 niedrige Geschosse hohes, und in den 3
obersten nicht sehr hohe 7 Fenster breites Gebäude, das erst vor wenigen Jahren um das 4te
Geschoß erhöhet worden ist. Im Erdgeschosse ist ein schmahler Eingang von der Strasse
zwischen 6 Fenstern, und rückwärts und zur Seite ein Obst- und Küchengarten. An das
Gebäude ist gegen das Stadtthor ein kleines niederes, nicht über 12 Schritte breites Kirch-
lein angebaut, das 2 Altäre von Holze hat, wovon der Hochaltar ein schwarzes Crucifix mit
1 Kramml–Veits-Falk, Medizinische Versorgung 117–135. Ediert wurden Ordnungen des Lepro-
sen- und Bruderhauses sowie des Bürgerspitals.
2 Weidenholzer, Kronhaus 191–196.
3 Kramml–Veits-Falk, Medizinische Versorgung 123; Rosskopf, Lepra 187.
4 Rosskopf, Lepra 197–206.
5 Hübner, Beschreibung 2 535.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 1
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Medizin