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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
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124 Kommentare Das Sondersiechenhaus in Mülln war, wie man vermuten kann, nicht nur für die Re- sidenzstadt, sondern für das gesamte Erzstift Salzburg zuständig (Punkt 13 der Statuten). Erkrankte Frauen und Männer, die an Lepra, später an „ekelhaften Krankheiten“ (Skor- but, Epilepsie, Krebs, Spina Vintosa = eine tuberkulöse Knochenveränderung, Syphilis, Geschwüre etc.) litten, durften aufgenommen werden. Ledige Frauen, Schwangere oder verdächtige leüth wurden hingegen abgewiesen, außlenndige Kranke durften nur mit Sonder- genehmigung des Siechenmeisters für eine Nacht und einen Tag im Haus verbleiben. Hin- sichtlich der Aufnahme von „Landeskindern“ sowohl aus der Hauptstadt wie aus dem Land Salzburg, wie dies in den Statuten 1619 festgelegt wurde, kam es aus Finanzierungsfragen langfristig zu Reibereien zwischen der Stadt und den Pfleg- bzw. Landgerichten (später der Landesverwaltung). Im Jahr 1911 hatte das Leprosenhaus insgesamt 45 Freiplätze: 24 waren der Stadt Salzburg zugeignet, sechs den Landgemeinden, zwei dem Siechenfonds, acht galten als Landesfonds-Freiplätze und fünf als Kaiser Franz-Josephs-Freiplätze; insgesamt lebten 1901 52 Personen in der Anstalt12, die seit 1857 von den Barmherzigen Schwestern gepflegt wurden13. Im Jahr 1929 wurde das Haus bereits als „Landessiechenanstalt“ bezeichnet, 1947 in Landespflegeanstalt umbenannt – den Name trägt die Institution auch noch gegenwär- tig14. Im Herbst 2012 wurde das Gebäude an die Erzdiözese Salzburg verkauft, welche die Liegenschaft nach der Fertigstellung des neuen, modernen Pflegezentrums in der Christian Doppler Klinik übernehmen wird. Die Tradition des Hauses soll dabei bewahrt werden15. Wurden die Leprösen außerhalb der Stadt betreut, so bestand vor 1322 im heutigen Haus Klampferergasse 3, in der Nähe der damaligen Stadtbrücke, das so genannte spital- haws an der prukken, eine einfache Zufluchtsstätte für Kranke und Bedürftige. Im Februar dieses Jahres bestätigte Erzbischof Friedrich III. (1315–1338) diese Stiftung des Patriziers Kuno von Teising und hielt für den speziellen Fall, dass an einem anderen Ort der Stadt ein gemainez spital errichtet werden würde, den Wunsch des Stifters fest, dass sodann das spitalhaws der neuen Gründung zufallen sollte16. Lässt sich der – im Vergleich zu anderen deutschen Städten – verspätete Anstoß zur ersten Gründung eines kommunalen Spitals und dessen Dotierung eindeutig mit den Salzburger Bürgern in Verbindung bringen, so ergriff Erzbischof Friedrich III. 1327 selbst die Initiative und verlegte das Spital in die unmittelbare Nähe des Westtores (inneres Klausentor), im Winkel hinter der Blasiuska- pelle. In der Stiftungsurkunde vom 17. Juli 1327 wurde die Motivation für die (Neu-) Gründung drastisch geschildert: „Es gab bisher in unserer Stadt kein allgemeines Spital (Gemeindespital), in das die Kranken hätten aufgenommen werden können, so daß das Unglück grausam und unmenschlich an den Tag trat. Um nur einiges anzuführen: oft werden Erfrorene auf den Gassen tot aufgefunden, ohne Beistand sterben sie und nie- mand kümmert sich um ihr Begräbnis; gebärende Frauen schreien in ihren Schmerzen, ohne daß ihnen eine Hebamme zur Seite steht. Kranke beiderlei Geschlechts liegen auf kümmerlichen Betten vor den Türen des Domes und besudeln durch großen Unrat und Schmutz zum Ärgernis und Ekel der Vorübergehenden die Zugänge“17. 12 Rosskopf, Lepra 206–212. 13 Greinz, Sociales Wirken 200. 14 Rosskopf, Lepra 222; Spitzer, Kirchliches Spitalwesen 101f. 15 Landespflegeanstalt wird verkauft [http://www.salzburg24.at/landespflegeanstalt-muelln-wird-ver- kauft/3374734, Zugriff 1. 6. 2014]. 16 Die Darstellung folgt Weiss–Kramml, Bürgerspital 67–110, hier 68; Weiss; Bürgerspital, 133– 142; Stadler, Bürgerspital. 17 Zit. nach Weiss–Kramml, Bürgerspital 69; Weiss, Bürgerspital 134f.; Spitzer, Kirchliches Spi- talwesen 87.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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