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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Seite - 128 -
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Seite - 128 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1

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128 Kommentare zu lange gesotten und das Kraut sauer, die (Fleisch-)Portionen waren bisweilen zu gering bemessen. Für die Kranken wünschte man zudem eine spezielle Kost. Funktionierte hin- gegen ein Teilbereich der Versorgung, so reagierten die Hausbewohner aber auch mit Lob. Schuld an der Misere – zumindest im Jahr 1795 – trug nach Ansicht der meisten Insas- sen die häufig betrunkene Köchin, die auch Nahrungsmittel veruntreute. Kritik erfuhren überdies die im Felsen errichteten Arkadenkammern, die im Winter aufgrund der Kälte beinahe unbewohnbar waren und zu einer Überfüllung der großen Stuben führten. Der Spitalgeistliche und Stadtkaplan, der zwar seinerseits über die Nichteinhaltung der Ord- nung zu klagen wusste, musste äußerst widerwillig die Richtigkeit der Beschwerden be- stätigen. Die geistliche Kontrollinstanz, das Konsistorium, nahm daher die Kritikpunkte ernst und kam zur weisen Einsicht32: Nichts ist in spitälern und anderen dergleichen milden stiftungshäusern gewöhnlicher, als daß, wenn es an der gebührenden verpflegung fehlt, auch die häusliche zucht und ordnung nie mit gehörigem nachdrucke betrieben werden könne, indem die pfründner jeder auch noch so billigen ahndung immer sogleich den vorwurf ihrer schlech- ten verflegung entgegen setzen33. 1795 äußerten sich die Pfründner durchaus positiv über den geleisteten seelischen Beistand, so wurden die Kranken häufig besucht, die Sterben- den getröstet und der Fleiß des Stadtkaplans und seines Gehilfen besonders hervorgeho- ben. Man wünschte sogar, dass ein Priester im Haus wohnen sollte, um gähe sterbenden sofort die Sakramente spenden zu können34. Das Salzburger Bürgerspital entwickelte sich im 19. Jahrhundert immer mehr zum ty- pischen Altersheim, in dem aufgrund von Platzmangel jedes Loch genützt werden musste. Die wirtschaftliche Misere um 1800, die Kriegsjahre und der österreichische Staatsbank- rott 1811 (Wiener-Stadtbank-Obligationen) setzten auch dem Bürgerspital hart zu – wirt- schaftliche Schläge, die stets mit einer Reduktion der Insassenzahl verbunden waren. Einen tatsächlichen Aufschwung brachte erst die Stiftung des reichen Salzburger Handelsmannes Mathias Bayrhammer, der im Dezember 1844 25 neue Pfründen stiftete. Im Herbst 1898 übersiedelten alle Bewohner/innen des ehemaligen Bürgerspitals in das lang ersehnte neue Versorgungshaus Nonntal. Diese ehemaligen Insassen genossen noch in den folgenden Jahrzehnten bis zur Vernichtung der vorhandenen Fonds durch die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg eine bevorrechtete Stellung aufgrund ihrer sozialen Definition, die sich in ihrer Wohnlage (die beiden Flügel links und rechts der Kirche), im höheren Handgeld und in der besseren Verpflegung manifestierte35. Die freigewordenen Räumlichkeiten ließ die Stadt in Kleinwohnungen und Werkstätten umgestalten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer in Mitleidenschaft gezogen, erneut rekonstruiert und dient seit 1978 dem Salzburger Spielzeugmuseum (Bürgerspitalgasse 2) als Heimstatt36. Das im Jahr 1496 von den Salzburger Bürgern gegründete Bruderhaus St. Sebastian in der Linzer Gasse war neben dem Bürgerspital das zweite kommunale Hospital im unmit- 32 Weiss, Österreichische Hospitäler 226f.; ders.–Kramml, Bürgerspital 86f.; Stadler, General- visitation 137–161; ders., Bürgerspital 75–79, 176–180; Weiss, Bürgerspital 138f.; ders., Unglück 218; Wonisch-Langenfelder, Pfründnerzelle; Ammerer, Gesundheitsmarkt 197. 33 AStS, Städtische Stiftungsakten, Akten, Bürgerspitals-Generalvisitations-Akt 1795, Absatz 2; Weiss–Kramml, Bürgerspital 88. 34 Weiss, Spitalgeistlicher 236; AES, St. Blasius 5/63, 30, Gehorsamste relation die im hiesigen bürger- spital vorgekehrte visitation betr., 1795 Juni 27. 35 Weiss–Kramml, Bürgerspital 98f.; Spitzer, Kirchliches Spitalwesen 88; Falk–Veits, Mathias Bayrhammer 191; Tettinek, Armen-, Versorgungs- und Heilanstalten 42–44. 36 Wonisch-Langenfelder, Pfründnerzelle.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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