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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
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130 Kommentare „Tollhauses“ im Jahr 1783 (ein beynahe zu schönes Narrenhaus)41 ab 1800 für den un- entgeltlichen Unterhalt von maximal vier verarmten psychisch Erkrankten Verwendung finden durften. Im „Tollhaus“ konnten in den 18 kodern auch „Rasende“, d. h. für die jeweilige Familie und die Umwelt gefährliche Personen, aus der Stadt und aus dem Land Salzburg aufgenommen werden. Beim großen Stadtbrand 1818 wurde das „Toll- oder Irrenhaus“ in St. Sebastian weitgehend zerstört, worauf die Institution nach Mülln in den Kammerlohrhof beim St.-Johanns-Spital übersiedeln musste42. Den Bewohnern des Bruderhauses stand auch das nebenan gelegene Bad zur Ver- fügung, und sie wurden im Bedarfsfall sogar gegen die Syphilis behandelt. Im Jahr 1578 errichtete man im Haus eine eigene „Schmierstube“ (die Bezeichnung kommt von der Schmierkur mit Quecksilber zur Behandlung der Krankheit). Ob der weltbe- rühmte Gelehrte Paracelsus während seiner Salzburg-Aufenthalte im Haus wirkte, wird in der Forschung nach wie vor diskutiert, doch ließen sich dafür bisher keine schrift- liche Belege nachweisen (immerhin fand er sein ursprüngliches Grab im Friedhof der Bruderhäusler)43. Bereits 1512 – analog zur Verschriftlichung der Bürgerspitalordnung – wurde in der wochen Katherine (21.–27. November) von den beiden Bürgermeistern Virgil Waginger und Sebastian Klaner ebenfalls eine erste Ordnung für das Bruderhaus (9 Punkte) erlas- sen (Edition Nr. 32, S. 572–574)44. Die Stadt hatte die Aufgabe, einen frommen Bürger (Brudermeister) mit der Verwaltung der Kirche St. Sebastian samt Kirchenschatz und Friedhof sowie des Bruderhauses mit Garten, Stadel, Holzstadel, zwei Wasserstuben ober- und unterhalb der Kirche inklusive eines Schöpfbrunnens zu betrauen. Er führte auch die Aufsicht über die Armen, die erkrankten Dienstboten und die Wallfahrer. Wie bereits erwähnt, oblag die eigentliche Arbeitsorganisation dem Untermeister, der vom Mesner- knecht und Unterknecht, der das Almosen mit dem Korb in der Stadt einsammelte und die Beerdigung der verstorbenen Hausinsassen vorzunehmen hatte, unterstützt wurde. Für kranke Personen stand weiteres Personal zur Verfügung. Der Untermeister hatte das Aufsichtsrecht über die Köchin, die „Dirn“ und einen Knecht und musste sich täglich da- rum kümmern, dass ordentlich gekocht wurde und die Armen ihre Gebete verrichteten. Alle Hausbewohner/innen unterstanden der Disziplinargewalt des Brudermeisters, der bei Verstößen gegen die Hausregeln entsprechende Strafen verhängen konnte (Einsperren im kötterl, Vorenthaltung der Pfründe, „Beurlaubung“ aus dem Bruderhaus). Er war auch für die ordentliche Rechnungslegung zuständig und musste darauf achten, dass beim Tod einer Person die Hinterlassenschaft an das Haus fiel. Der verstorbene Mann oder die Frau wurde üblicherweise am Friedhof St. Sebastian bestattet45. Diese erste Ordnung oder vielmehr Instruktion für den Verwalter blieb knapp hun- dert Jahre in Gültigkeit, bevor sich durch die reichlichen Zustiftungen Erzbischof Wolf Dietrichs zu Beginn des 17. Jahrhunderts (Erweiterung des Friedhofs St. Sebastian, Kreuzgang, Gabrielskapellen-Fonds etc., 1611 Anbau eines Stöckls durch den Ratsherrn 41 Hübner, Beschreibung 1 330. 42 Kramml, Bruderhaus 119f., 138f.; Ammerer, Gesundheitsmarkt 197; Becziczka, Stadt Salzburg 407. 43 Kramml–Veits-Falk, Medizinische Versorgung 134f.; ders., Bruderhaus 129. 44 AStS, Städtisches Stiftungsarchiv, Buchförmige Archivalie 742, fol. 2r–6r; Tettinek, Armen-, Ver- sorgungs- und Heilanstalten 55–58; Kramml, Bruderhaus 115. 45 Zusammengefasst nach Kramml, Bruderhaus 115f.; zum Friedhof zuletzt Skotschek, Friedhof 27–32 mit weiterer Literatur; zum Bürgerspitalfriedhof als Erinnerungsort Hauer, Bergsturz 25.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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