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eigenen Leiden und Widerwärtigkeiten euch mit Geduld und Ergebenheit waffnet, Fried
und Einigkeit liebet, und euch durchaus als gute Geschwister, als Kinder des nämlichen
Vaters, der euch da gütig versorget, aufführet und verhaltet. Wie gut und schön könntet
ihr da eure alten Tage zubringen und beschließen! So würde dies Bruderhaus zugleich
selbst ein Gotteshaus werden; denn wo Liebe und Friede ist, da ist Gott. Wo zwey oder
drey in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen, sagt der Herr“51.
Auch über dem Kirchenportal waren anlässlich der Feier Sinnsprüche angebracht worden
und über dem Bruderhausportal konnten die Besucher folgende programmatische Zeile
mit einem Chronogramm lesen: „Wie gut und schön ist / wen Bryder in liber eintracht
bey einander wohnen“52.
Im Jahr 1818 verheerte der furchtbare Stadtbrand auch das Bruderhaus und zerstörte
die erst vor wenigen Jahrzehnten erbaute neue St.-Sebastians-Kirche, die 1821 bereits neu
geweiht werden konnte. Fünf Jahre später musste die Naturalverpflegung aufgegeben und
ein Kostgeld eingeführt werden, mit dem in der Küche des Hausaufsehers Essen gekauft
werden durfte. Als großer Förderer des nunmehrigen Alten- und Versorgungshauses trat
wiederum Mathias Bayrhammer in Erscheinung, der in der Linzer Gasse ein Haus be-
wohnte und dem Bruderhaus per 1. Mai 1844 30 neue Pfründen stiftete53. Am 10. No-
vember 1898 übersiedelten auch alle Bruderhauspfründner samt den „Kommunstüblern“
in die neu erbauten „Vereinigten Versorgungsanstalten“, wo sie im eigenen „Bruderhaus-
trakt“ untergebracht und aus den Mitteln des weiter bestehenden Bruderhausfonds (freie
Unterkunft, Beheizung, Beleuchtung, Krankenpflege, Bedienung, Pfründengeld) versorgt
wurden54.
51 Reiter, Gelegenheitsreden 10f.
52 Zit. nach Kramml, Bruderhaus 138; Weiss, Spitalgeistlicher 224.
53 Falk-Veits, Mathias Bayrhammer 191; Tettinek, Armen-, Versorgungs- und Heilanstalten 68–70
(mit falschem Datum 1845).
54 Kramml, Bruderhaus 142–146.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 1
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Medizin