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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
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IV.4 Salzburg: Tamsweg – Bürgerspital (Kommentar Nr. 36–37) 133 IV.4 Salzburg: Tamsweg – Bürgerspital (Kommentar Nr. 36–37) Das so genannte Barbaraspital in Tamsweg, das erst im Jahr 1962 endgültig geschlossen wurde und seit dieser Zeit das lokale Heimatmuseum beherbergt, verdankt seine Ent- stehung bereits einer spätmittelalterlichen Stiftung. Als drittes Gotteshaus stiftete der Geistliche Leonhard Hofer 1494 eine Heiliggeist-Kapelle beim bürgerlichen Spital in der heutigen Kirchengasse; später war diese unter anderem der hl. Barbara geweiht1. Ein aus der Zeit um 1780 im Pfarrarchiv Tamsweg überliefertes Repertorium über die zum st. Bar- bara spital zu Tamsweg gehörigen documenta erwähnt zwar die Einweihungsurkunde vom August 14942, doch bleibt es trotz jüngster Forschungen auch weiterhin fraglich und ein „Geheimnis der Geschichte“3, ob es sich um eine Neustiftung im Zuge des Aufschwungs des Marktes und des Bevölkerungswachstums im 15. Jahrhundert handelte oder doch eher um eine zu Recht vermutete Wiedererrichtung eines Vorgängerbaus nach den Zer- störungen der Ungarnkriege (1480–1490)4. Daran ändert auch nichts, dass Leonhard Hofer auf seinem schwer beschädigten Grabstein in der Pfarrkirche in Mariapfarr als erec- tor hospitalis in Temsweg et fundator primus bezeichnet wird5, denn das erwähnte Heilig- Geist-Patrozinium lässt ein älteres Patronat vermuten. Hofer stiftete für die Kapelle auch eine eigene Messe, die er vermutlich bis zu seinem Tod im Jänner 1506 meist selbst verse- chen hat 6. Neben der Armen- und Pfründneranstalt existierte außerhalb des Burgfrieds, am Fuß des Leonhardsbergs und damit entlang eines ab dem 15. Jahrhundert überregional be- deutsamen Wallfahrerweges, ein Siechenhaus, das sich archivalisch gesichert erst ab 1562 nachweisen lässt. In diesen Jahren dürfte das Gebäude nicht nur als Quarantänestation, sondern überdies als herkömmliches Spital genützt worden sein, möglicherweise eine „Dependance“ des St.-Barbara-Bürgerspitals7. Trotz der zahlreichen Marktbrände, welche die ursprüngliche Architektur des Spital- hauses mehrfach veränderten, dürfte die Anstalt in den folgenden Jahrhunderten durch- aus floriert haben, da eine ansehnliche Grundherrschaft mitverwaltet wurde. Zu Ausein- andersetzungen zwischen der Bürgerschaft und dem Kirchenverwalter im Lungau, Andrä Christoph Schretter8, kam es erst 1784, als dieser behauptete, die Anstalt habe keinerlei bürgerlichen Ursprung. Der Markt wehrte sich durch seine Vertreter und wies auf die Bergbautradition im Lungau hin, die zur Entstehung des Hospitals geführt hätte. Nach den Gewerken hätte die Bürgerschaft von Tamsweg die Verantwortung für die Einrich- tung übernommen und erst 1737 die Verwaltung abgegeben. Durch die Zerstörung des Hauses infolge des verheerenden Brandes 1742 und durch die jahrzehntelange „Ein- kaufspraxis“ sank das Fondsvermögen kontinuierlich von 2.180 fl. im Jahr 1700 bis auf 1 Ausführlich Heitzmann, Bürgerspital 24–42, 207f. 2 PfA Tamsweg, Bestand St.-Barbara-Spital; Hatheyer, Chronik Tamsweg 237. 3 Heitzmann, Bürgerspital 27. 4 Ebd. 26f.; ders., Kirchen, Kloster, Kapuziner 458. 5 Hatheyer, Chronik Tamsweg 239; eine ähnliche Bezeichnung findet sich auch auf einer Ablass- bulle aus dem Jahr 1494: Greinz, Sociales Wirken 202; Kürsinger, Lungau 209f.; Dürlinger, Handbuch 2/1 30, 39f. 6 PfA Tamsweg, Bestand St.-Barbara-Spital, Hochfürstliches Salzburger Konsistorium an die Kursalz- burgische Landesregierung, 1805 Mai 22. 7 Heitzmann, Bürgerspital 29f. 8 Zur Person Kocherchronik 48–52.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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