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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
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134 Kommentare magere 331 fl. im Jahr 17689. Die Insassenzahl verringerte sich nach 1742 von 20 auf zehn Frauen und Männer10. Bereits der Zeitgenosse und berühmte bayerische Aufklärer in Salzburger Diensten, Lorenz Hübner, übte Kritik an der Praxis, dass „mehrere junge Per- sonen für 170 bis 250 Fl. auf Zeitlebens […] angenommen wurden“11, wodurch unab- sichtlich der wirtschaftliche Ruin mit in Kauf genommen werden musste. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte das Spital neue Einnahmequellen drin- gend nötig (in diesem Kontext entstand wohl auch Edition Nr. 36), so dass die Über- tragung des Vesperbildes der schmerzhaften Muttergottes im April 1780 in die Barbara- Kapelle, das sich ursprünglich an der Außenmauer des Kapuzinergartens befand, von der Verwaltung gutgeheißen wurde. Trotz Protesten der Bauern und Bürger gewöhnte sich die Bevölkerung rasch an den neuen Standort des Bildes, dem Wunderheilungen zugeschrie- ben wurden, und die Spendenfreudigkeit der Gläubigen ließ nicht nach, da das Kon- sistorium im Kirchlein nunmehr regelmäßig Messen lesen ließ12. Nach dem Abzug der Kapuziner aus Tamsweg im Oktober 1781 brachte Verwalter Schretter den Vorschlag ein, das verlassene Klostergebäude künftig als Krankenhaus für den Lungau zu verwenden und damit das Bürgerspital als ausschließliches Altersversorgungsheim zu verbinden. Seine Pläne stießen auf wenig Resonanz, da die verlassenen Räumlichkeiten künftig dem Ge- richtsgebäude dienen mussten. Als Reaktion auf die Entweihung der Klosterkirche habe Schretter dem neuen Pfleger Ferdinand von Pichl „die Schlissel also grob und unwillig, Virgeworfen als wann er Voler Verdrus und unwillen war“13. Die fehlgeschlagenen Pläne und die erschöpften Fondsmittel14 zwangen schließlich den Rat, die bürgerliche Anstalt im Jahr 1789 zu verpachten. Nach längerer Suche nach einem geeigneten Kandidaten 9 Hatheyer, Chronik Tamsweg 238; Heitzmann, Verwaltung 77. 10 Kürsinger, Lungau 212. 11 Hübner, Beschreibung 2 516f.; PfA Tamsweg, Archidiakonalkommissariat Tamsweg an das Pfleg- und Landgericht Tamsweg, 1803 März 22. 12 Kocherchronik 26–28, 120 Nrn. 116f.; Heitzmann, Kirchen, Kloster, Kapuziner 460, 471f; Dür- linger, Handbuch 2/1 31. 13 Kocherchronik 50, 168 Nrn. 271f. (Zitat); Hatheyer, Chronik Tamsweg 243. 14 Weiss, Providum imperium felix 56f. Abb. 11: Tamsweg; Bür- gerspital (Kirchengasse), gestiftet 1485, nach Brand Neubau 1742–1745 (Bar- baraspital, heute Lungauer Heimatmuseum) in der Seitenansicht. Das im Mittelalter gegründete Spital erhielt 1494 eine dem Heiligen Geist geweihte Kapelle (Foto: Alfred Stefan Weiß, 2011).
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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