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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Seite - 137 -
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Seite - 137 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1

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IV.5 Salzburg: Zell im Pinzgau (Zell am See) – (Kommentar Nr. 38–39) 137 auf den Almen und im Gebirge aufhielten. Bemängelt wurde ferner, dass für die Bau- ern überhaupt keine Versorgungsanstalt vorhanden war, lediglich die Bürger des Marktes Zell hatten Anspruch auf Unterkunft im Bedarfsfall (für diese standen ein Leprosenhaus und zwei Bruderhäuser zur Verfügung)7. Im begleitenden umfangreichen Gutachten8 an den Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo (1772–1803) aus dem Jahr 1772/73, das vermutlich der in Armensachen versierte Hofrat Josef von Edlenbach ver- fasst haben dürfte, wird unter Paragraph 4 (Von denen armen haußern, spittälern und derley milden zufluchts-örteren) auch konkret die Situation in Zell im Pinzgau behandelt: In dem burgerlichen siechenhauß seynd keine gewisse anzahl der personen vestgesezet, und dermals 6 mit dem siechtum behafte persohnen alda wohnhaft, die mit aller nothwendigkeit verpflogen werden. Hierüber seyn ein eigener verwalter aufgestellt, die rechnungen aber werden von geist- licher und weltlicher obrigkeit aufgenohmen, und ad consistorium jährlich eingesendet 9. Obwohl die Anzahl der Pfründen nicht definitiv festgelegt war, mussten die Interes- senten, ihre Verwandten oder die Gerichtsgemeinde zumindest eine ansehnliche Summe aufbringen, um sich in diesen „milden Ort“ einkaufen zu können. Bettler und Personen, die an so genannten abscheulichen Erkrankungen litten, wurden lediglich einige Tage geduldet10. Bereits im Jahr 1711 galt das Haus als baufällig und einsturzgefährdet, so dass von ursprünglich 18 Insassen nur mehr sechs in der Anstalt verbleiben konnten, die restlichen mussten nach Hallein, Laufen, Tittmoning und Waging transportiert und dort untergebracht werden. Nach der Jahrhundertmitte, 1767, sollte der Bau noch auf- gestockt werden, doch reichten die jährlichen Zinseinnahmen nicht einmal für die Ver- pflegung deren 8 leprosen, wie beklagt wurde. Bei einem jährlichen Verlust in der Höhe von über 100 fl. genehmigte das fürsterzbischöfliche Konsistorium Umbau und Auf- stockung aus nachvollziehbaren Gründen daher nicht11. Der bürgerliche Bäckermeister, Bürgermeister und Leprosenhausverwalter Joseph Prüggl wurde zwar nicht müde, darauf hinzuweisen, dass der obere Stock des Hauses vermodert und baufällig war und die Ar- men nicht mehr entsprechend untergebracht werden konnten, doch zögerten die veran- schlagten Kosten in der Höhe von knapp 880 fl. eine Entscheidungsfindung mehrfach hinaus. Obwohl das Leprosenhaus einen Kapitalstand von 10.127 fl. aufwies, konnte darauf nicht zurückgegriffen werden, da Teile des Vermögens keine Zinsen einbrachten oder bereits unwiederbringlich in Verlust geraten waren. Das Geld war an andere milde Stiftungen und Gotteshäuser allzu sorglos verliehen worden, so dass nun Bürgermeis- ter Prüggl bei Fürsterzbischof Sigmund Graf Schrattenbach (1753–1771) – allerdings erfolglos – um eine finanzielle Aushilfe bitten musste. Im Duktus der Zeit wünschte er dem Landesherrn eine glückselige Regierung und ertragreiche Bergwerke und versprach ferner, dass auch die armen leprosen […] ihr gebett zum himmel abzuschiken nit unterlassen werden12. 7 SLA, Geheime Hofkanzlei LIII/1, Auszug deren berichten von denen hochfürstlichen beamten inner gebürg über die denenselben ausgesesezte frag stücke im land allmosen weesen. 8 SLA, Hs. 48, Unterthänigstes gutachten das land-allmosen weesen betreffend; Veits-Falk, Begriff Ar- mut 21–26. 9 SLA, Hs. 48, Unterthänigstes gutachten das land-allmosen weesen betreffend, pag. 246. 10 PfA Zell am See, K. 130, Fasz. Bruder- und Leprosenhaus 1573–1796 I, Bericht an das Pfleggericht Zell (Abschrift), 1730 Dezember 18. 11 PfA Zell am See, K. 130, Fasz. Bruder und Leprosenhaus 1573–1796 I, Bau-Acten Zell am See 1733 bis 1784. 12 AES, 9/11/8 Zell am See, Leprosenhausverwalter Joseph Prüggl an das Salzburger Konsistorium, 1767 Juni 27.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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