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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Seite - 139 -
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Seite - 139 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1

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IV.5 Salzburg: Zell im Pinzgau (Zell am See) – (Kommentar Nr. 38–39) 139 lichen Raum17. Die Zeller Anstalt – das Haus wurde vermutlich bereits im 16. Jahrhun- dert errichtet – befand sich im unteren Teil des Marktes in Richtung des Zeller Sees (Nr. 45) und musste erst in den 1960er Jahren einem Neubau Platz machen18. Im 19. Jahr- hundert galt der zweigeschossige Bau als solide, geschützt durch ein Legschindeldach, ver- sehen mit einem eigenen Brunnen und einer kleinen gemauerten Stallung. Das Gebäude beherbergte um 1840 die Pfleggerichtskanzlei und die Wohnung des Pflegers. Als ur- sprünglicher Zweck der Einrichtung wurde ebenfalls die Unterbringung der armen Pilger genannt, welche zur 1770 abgebrannten Frauenkirche (Maria im Wald)19 eine Wallfahrt gelobten. Im Jahr 1573 berichteten der Landrichter von Zell und der Pfleger von Kaprun von der bloßen Existenz einer Behausung und von einem anderen Grund, der für die tat- sächliche Einrichtung eines Bruderhauses sprach. Im Markt gab es viele „einfältige“ Per- sonen, die institutionell versorgt werden mussten und für die sie beim Landesherrn um das Geld für den Ankauf von ein bis zwei Kühen baten20. Erst das Stiftungskapital in der Höhe von 2.000 fl., welches Maria von Taxperg im Februar 1607 zur Verfügung stellte, führte jedoch zu einer grundlegenden Änderung und ermöglichte die lebenslängliche Versorgung von zumindest vier Personen (ein leibs brüechiger Mann21, zwei „einfältige“ Frauen und eine stumme Frau)22. Dechant Georg Tauscher von Saalfelden berichtete im Juli 1621 an das Salzburger Konsistorium, dass die Armen im ursprünglichen Bruderhaus nur die Herberge genossen, doch an narung grossen mangl geliden23. Zumindest war ihr Quartier seit August 1598 durch den Schmidtenbach erneut in Mitleidenschaft gezo- gen worden, der den unteren Teil mehrerer Häuser mit Schotter und Schlamm angefüllt hatte24. Nunmehr erhielten die Armen auch speis und trankh, gewäntung und nach ihrem Tod ein würdiges Begräbnis25. Da ein aus Zell gebürtiger verstorbener Geistlicher, der zuletzt in (Wiener) Neustadt als Offizial tätig gewesen war, weitere 985 fl. legiert hatte, kaufte man mit dem vorhandenen Vermögen außerhalb des Marktes ein Bauernlehen an (das Gut Unterainethen, Untereinöden)26 und ließ ein Ehepaar für die „Bruderhäusler“ sorgen. Die Frau kochte täglich drei Mahlzeiten, der bstantman arbeitete hingegen für das Lehen, er haut[e] und baut[e]. Weiterhin kamen fremde Arme zum neuen Bruderhaus, so dass dieselben vast teglich beherberget und gespeiset werden mussten. Die Anstalt im Markt existierte ebenfalls weiter und einige Arme erhielten Herberge, Salz und Brennholz, zwei Notleidende darüber hinaus noch einen Laib Brot und ein halbes Pfund Schmalz, zu den heiligen Zeiten bekamen alle Insassen Fleisch. Berichtete der Saalfeldener Dechant neu- 17 Vgl. Veits-Falk, Armenfürsorge in Bischofshofen 324f.; Kramml, Bruderhaus 116f. 18 Hölzl, Zell am See 359. 19 Lahnsteiner, Unterpinzgau 60f. 20 PfA Zell am See, K. 130, Fasz. Bruder- und Leprosenhaus 1573–1796 I, Extractus eines Berichts des Landrichters von Zell und Pflegers von Kaprun, 1573 April 15. 21 AES, 9/11/9 Zell am See, Copia zur Abschrift des Reverses an die Erben der Maria von Taxberg, Zell, 1607 Februar 16. 22 PfA Zell am See, K. 130, Fasz. Bruder- und Leprosenhaus 1573–1796 I, Historische notizen über die in der pfarre Zell am See bestehenden zwey armenversorgungshäuser leprosenhaus und bruderhaus; Dürlinger, Pinzgau 286; Pillwein, Herzogthum Salzburg 210; Ozlberger, Beschreibung 48 (1844) 372. 23 AES, 9/11/9 Zell am See, Dechant Georg Tauscher an das Salzburger Konsistorium, Saalfelden, 1621 Juli 28. 24 Hölzl, Zell am See 265; Lahnsteiner, Unterpinzgau 101. 25 AES, 9/11/9 Zell am See, Dechant Georg Tauscher an das Salzburger Konsistorium, Saalfelden, 1621 Juli 28. 26 Englmayr, Chronik 51.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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