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vnd zeitlichen Noturfften“ betreuen zu können13. Der Ratsbürger Christoph Windisch,
ab dem Jahr 1588 auch erster Bürgermeister der Stadt, war schon im Dezember 1581
zum Bau- und Spitalherrn ernannt worden. 1593 konnte er berichten, dass der Rohbau
fertiggestellt war, doch fehlte es bisweilen am nötigen Geld, um die Arbeiten endgültig ab-
schließen zu können. Windisch, der später als Spitalmeister fungierte, erhielt in 14 Jahren
für seine wichtige Tätigkeit immerhin 1.400 fl. zugesprochen14.
Zum ewigen Gedächtnis der evangelischen Stiftung und ihrer Wohltäter, aber auch als
eindeutigen Anreiz für weitere Spender, beschlossen die Bauverantwortlichen bereits im
Jahr 1582 die Anlegung einer repräsentativen Handschrift mit Namen und Wappen aller
derjenigen, die zur Leistung eines wesentlichen finanziellen Beitrages bereit waren; drei
Jahre später konnte schon ein zweites Stiftbuch angelegt werden. Erwähnt sei als Beispiel
nur Hans Paradeiser, der 1583 den armen Spitalern 4.000 fl. übertrug15.
Die Kirche des Spitals, das herausragendste Werk der protestantischen Sakralbau-
kunst in Kärnten16, und Mittelpunkt des gesamten Komplexes wurde am 28. April 1591
vom Stadtpfarrer der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Obwohl das neue Spital nur für 80
Frauen und Männer bestimmt war, hielten sich um 1600 bereits annähernd 100 Personen
in dieser Institution auf, die das lezte khönlein verzehrten17. Die Bürgerschaft konnte sich
allerdings ihrer Stiftung nicht lange erfreuen, da im November 1600 eine landesfürst-
liche Kommission unter Waffengeleit und unter Leitung des Bischofs Martin Brenner
von Seckau nach Klagenfurt kam, um die städtischen Kirchen zu rekatholisieren. Die
Dreifaltigkeitskirche (der heutige Dom) wurde gesperrt, im Oktober 1604 gemeinsam
mit dem Spital von den Religionsreformationskommissären (Landeshauptmann, Landes-
vizedom und Salzburger Archidiakon) trotz heftiger Proteste der Bürger und der Stände
sowie einer Beschwerde beim Landesfürsten konfisziert. Bereits am 30. November dieses
Jahres weihte der Gurker Dompropst und Weihbischof Karl Grimming die Dreifaltig-
keitskirche den Apostelfürsten Petrus und Paulus und die landesfürstliche Kommission
übergab sämtliche Räumlichkeiten an die Jesuiten. Die neuen Bewohner, die sich den
Zorn der Klagenfurter zuzogen und sogar nächtliche Störmanöver vor ihrem Kolleg ertra-
gen mussten, sicherten sich für den Wohn- und Schulbereich die schönsten Zimmer und
ca. drei Viertel des Raumangebots, wodurch den armen spitallern […] zu irer besseren un-
dterhaltung nicht wenig entzogen worden18. Den Plan, die Armen in einem anderen Haus
unterzubringen, boykottierten die Bürger, da sie den endgültigen Verlust ihrer Stiftung
befürchteten. Schließlich erbauten die Jesuiten in räumlicher Nähe zu ihrer Kirche in der
Lidmanskygasse das noch heute existierende Gebäude, den hl. Sebastian und Fabian ge-
weiht, und präsentierten dieses am 8. September 1618 feierlich dem Magistrat. Die an das
13 Sakrausky, Armenstiftung 253–264, Zitat 259; Malloth, Stadt Klagenfurt 168f.; Hanisch-
Wolfram, Dienst am Mitmenschen 488; ders.–Wadl, Glaubwürdig bleiben 50 Nr. 1.3.2 (Stiftbrief des Kla-
genfurter Bürgerspitals); KLA, B Urkunden, Bürgerspital Klagenfurt, Stiftungen, Nr. 54, 1588 Juni 12 Klagen-
furt; Nr. 55, Klagenfurt, 1588 Juni 12.
14 Malloth, Stadt Klagenfurt 169f.
15 Fräss-Ehrfeld, Geschichte Kärntens 2 488; Hanisch-Wolfram, Dienst am Mitmenschen 433;
ders.–Wadl, Glaubwürdig bleiben 51 Nr. 1.3.3 (Zweites Stiftbuch des Klagenfurter Bürgerspitals), Nr. 1.3.4
(Erstes Stiftbuch des Klagenfurter Bürgerspitals); Posch, Landeskrankenhaus Klagenfurt 18f.
16 Deuer, Kunst der Reformation 129–131.
17 KLA, Ständisches Archiv, C Akten, Abt. I, Sch. 263, Fasz. 1, fol. 128r; Weiss, Unglück 204.
18 KLA, Ständisches Archiv, C Akten, Abt. I, Sch. 263, Fasz. 1, fol. 155v, Bericht des Magistrats an die
Stände, 1611 Juni 12; Fräss-Ehrfeld, Geschichte Kärntens 2 634, 636f.; Weiss, Unglück 205; Malloth,
Stadt Klagenfurt 88–91, 180; Deuer, Dreifaltigkeitskirche 641, 650–652.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 1
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Medizin