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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Seite - 151 -
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V.2 Kärnten: Klagenfurt – Bürgerspital und Armenhaus (Kommentar Nr. 41–46) 151 talitätsgeschichtliche Quellen gelesen werden, enthielten direkte materielle Ziele; man suchte mit diesen die Verbesserung der eigenen persönlichen Umstände zu erreichen und über das Flehen beim Landesherr, bei der Herrschaft oder beim Magistrat auf dem ra- schesten Weg in ein Hospital zu gelangen25. Michael Fischer, ein alter Riemer, versuchte im September 1785 mit seiner Bittschrift zu reüssieren, da er seine Frau und seine drei Kinder mit seinem geringen Verdienst nicht mehr ernähren konnte. Er bat um Aufnahme in das Spital bzw. in die städtischen Bas- teien. Er war bereits von Stadt zu Stadt gezogen, doch hatte er in Klagenfurt noch kein erschwingliches Quartier für den bevorstehenden Winter gefunden. In den Schlussworten seiner Supplik verwies er geschickt und zeittypisch auf die Barmherzigkeit Gottes und forderte somit die Obrigkeit zum Handeln auf: Gott der allmächtige den thieren in den wäldern und denen vöglen in der luft ihr quartier giebt, auch mir in seiner gnad barmherzigst ein orth wird verliehen werden26. Hatte der 82-jährige völlige mittellose Bildl drucker Georg Weinmann, der sich im Sommer 1776 um einen Platz im Bürgerspital bemühte und der in Graz, Wien, Salzburg, Sachsen, Zagreb, Klagenfurt und Staatz in Niederösterreich gelebt hatte27, wenig bis keinen Spielraum, sich bessere Konditionen auszuhandeln, so konnten Frauen und Männer, die sich mit höheren Summen einkauften, durchaus Forderungen stellen. Verlangt wurden „Einzelzimmer“, Dienstpersonal, eine abwechslungsreichere Kost, eigene Heiz- und Kochmöglichkeit oder eine gesonderte Toilette etc. Da die Finanzen in der Regel Sorge bereiteten, sprach man das leidige Thema Geld in einem Gutachten an den ständischen Ausschuss vom Jänner 1795 auch offen an. Bevorzugt hätte die Spitalver- waltung eine freigewordene Pfründe an eine 38 Jahre alte und kranke Seilermeisterstocher, die zumindest 150 fl. Mitgift in die Anstalt miteinbringen konnte, in rücksicht des haus vortheils verleihen wollen. Da die Frau allerdings jedoch auf einem eigenen Zimmer be- harrte, musste sie sich vorerst gedulden. An ihrer Stelle nahm man hingegen in Bedienung von Klientelbeziehungen die Tochter eines ehemaligen Spitalverwalters auf – die Ehre und die geleisteten Dienste des Vaters sicherten der Tochter die lebenslange Versorgung28. Überliefert ist ferner der Antrag des bürgerlichen Schneidermeisters Anton Hirsch, der 1778/79 mit der Übergabe von 3.250 fl. zwei Pfründen stiften wollte29. Bis zu seinem Lebensende wollte er den frucht genuß der Kapitalzinsen in Form einer Pfründe selbst in Anspruch nehmen und auch das Tuch für die Kleidung eigenhändig auswählen. Die Verantwortlichen beabsichtigten, das heilsame Werk des schon müheselig alt erlebte[n] gutthäter[s] rasch zu Stande zu bringen. Der Stifter, der nicht nur das reiche Klagenfurter Bürgertum verkörperte, sondern auch das bürgerliche Schneiderhandwerk vertrat, rekur- rierte mit seinem Wunsch der Gestaltung der Kleidung auch auf die Berufsehre und dis- tanzierte sich damit deutlich vom Gebrauch des üblichen Hospitalgewandes, das laut den Instruktionen verpflichtend zu tragen war30. 25 Weiss, Unglück 208; allgemein zu den Bittschriften Bräuer, Bittschriften 294–304; Vanja, Krankheit im Dorf 159–174; Stanislaw-Kemenah, Hand Gottes 225–244. 26 KLA, Stadtarchiv Klagenfurt I, Akten, Fasz. 983/2, Bittschrift des Michael Fischer an das Grazer Gubernium, 1785 September; Weiss, Österreichische Hospitäler 217. 27 KLA, Ständisches Archiv, C Akten, Abt. I, Sch. 260, fol. 425r–430v; Weiss, Unglück 209f. 28 KLA, Stadtarchiv Klagenfurt I, Akten, Fasz. 983/2, Schreiben an den Großen Ausschuss, 1795 Jänner 30; Weiss, Österreichische Hospitäler 221f. 29 KLA, Ständisches Archiv, C Akten, Abt. I, Sch. 259, Fasz. 3, fol. 1r–20v, Antrag des bürgerlichen Schneidermeisters Anton Hirsch auf Errichtung zweier Pfründen im Klagenfurter Bürgerspital, 1778/79. 30 Weiss, Unglück 211; Scheutz–Weiss, Spitäler 211; dies., Spitalordnung 334; Edition Nr. 43 (10) , S. 625.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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