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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Seite - 154 -
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154 Kommentare gewerblich tätig zu werden44 –, präsentierte die Obrigkeit am 2. November 1762 bereits eine neue Instruktion für alle Pfründner im Bürgerspital (19 Punkte), wobei nunmehr auch der Aspekt der Bestrafung stärker in den Vordergrund gerückt wurde45. Neben der Drohung mit dem ein- bis dreitägigen Arrest bei Wasser und Brot und sogar Stockstrei- chen konnte in letzter Konsequenz eine Person auch aus der Anstalt verwiesen werden46. In Erinnerung an das Spital als ein Gotteshaus mittelalterlicher Prägung in Verbindung mit allmählich aufkommenden aufklärerischen Ideen von Sauberkeit und Reinlichkeit wollte die Hausleitung den typischen (Armen-)Hund durch den Zuchtmeister verscheu- chen, das zahlreich herumflatternde Geflügel töten lassen und überdies die vollgestellten Gänge frei bekommen. Zucht und Ordnung sollten über das Chaos siegen47. Um die Machtdemonstration nicht nur im Haus zu verstärken, sondern auch nach außen hin zu erhöhen, sah sich die Verwaltung gezwungen, zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein vier- eckiges, und an jeder eke mit einem loche versehenes zeichen von blech mit dem buchstaben B. S.48 herstellen zu lassen, welches die Spitaler beim Verlassen des Hauses verpflichtend an ihrer Kleidung zu tragen hatten und das sie am Betteln hindern sollte. Die (abschlie- ßend edierten) Instruktionen für den Hausverwalter, für den Hausknecht, Torwärter und Amtmann, für die Krankenwärterinnen, für die Pfründner und Gastleute sowie für den Mesner sind als ein weiteres Indiz zu lesen und zu interpretieren, dass sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht nur die Verantwortlichkeiten, sondern überdies der Pflichtenkanon ausdifferenzierten49. Im Gegensatz zur spätmittelalterlichen Gründung des Bürgerspitals konnte das Armen- haus am Heuplatz nur auf eine kurze Geschichte zurückblicken. Im Jahr 1747 stiftete der Weltpriester Johann Kleindienst per Testament ein Kapital von 12.400 fl., um mit den davon abfallenden Zinsen 14 arme Personen zu unterstützen. Die Bauarbeiten am Gebäude dürften sich in die Länge gezogen haben, denn erst im Februar 1754 konnte die Stiftung tatsächlich in Kraft treten. Die Armen wurden gemeinsam mit Waisenkindern und Insas- sen des Zucht- und Arbeitshauses – allerdings räumlich voneinander getrennt – in einem Gebäudekomplex untergebracht, der mit Mitteln des Staatsschatzes als auch mit Beiträgen der Landschaft errichtet worden war. In das Armen- bzw. spätere Siechenhaus wurden vor allem hinfällige Frauen und Männer aufgenommen, die nicht mehr in der Lage waren, für ihren Lebensunterhalt aufzukommen und zum Teil auch fremder Pflege bedurften50. Im März 1756 listete die Hausverwaltung neben den gestifteten Pfründen (insgesamt 16) 139 Arme auf (103 Frauen, 19 Männer, elf Mädchen und sechs Knaben), die im Haus lebten51. Um auch die Insassen des Armenhauses disziplinieren zu können, legte man wenige Monate nach der Ordnung für das Bürgerspital ebenfalls Regeln für die in der öffentli- 44 Weiss, Unglück 218f. 45 Ediert bei Olexinski, Armen- und Krankenpflege Anhang 214–225; Mak, Alltag 125–143. 46 Olexinski, Armen- und Krankenpflege Anhang 214, 216, 220, 222. 47 Ebd. 223; Weiss, Unglück 213; ders., Österreichische Hospitäler 226; ders., Almosen 110. 48 KLA, Stadtarchiv Klagenfurt I, Akten, Fasz. 983/2, Mitteilung an die Bürgerspitalverwaltung, 1803 November 10; Weiss, Österreichische Hospitäler 227f. 49 Edition Nr. 46, S. 632–635. 50 Olexinski, Armen- und Krankenpflege 105–109; Weiss, Karbatsch-Streiche 168; Hermann, Klagenfurt 203; KLA, Milde Stiftungen I, Sch. 69, Fasz. 917 (Armenhaus Klagenfurt), Stiftung des Johann Kleindienst (Weltpriester), Testament 1747 Februar 18. 51 KLA, Milde Stiftungen I, Sch. 73, Fasz. 942 (Spitalvorschriften allgemein), Tabellen der von der Milden Stiftungshofkommission 1756 in Kärnten durchgeführten Untersuchung, ca. 1756 März, Tab. 1 (Ar- menhaus in Klagenfurt, Bürgerspital in Klagenfurt, Seminar in Klagenfurt).
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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