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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
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V.3 Kärnten: Spittal (an der Drau), Herrschaftsspital (Kommentar Nr. 47–48) 157 V.3 Kärnten: Spittal (an der Drau), Herrschaftsspital (Kommentar Nr. 47–48) Eine karitative Stiftung – ein Haus mit angeschlossener Kirche für Arme, Kranke und Pilger – bildete den ehemaligen Kern der heutigen Stadt Spittal an der Drau. Im Jahr 1191 ließen die Brüder Graf Otto II. und Graf Hermann I. von Ortenburg am wichtigen Verkehrsknoten von Venedig in den bayerischen Raum auf der Anhöhe über dem Fluss Lieser das bis heute namengebende Spital errichten, das zu ihrer Grablege dienen sollte1. Der 1242 erstmals als Markt bezeichnete Ort fiel nach dem Aussterben der Ortenburger, deren Marktprivileg von 1403 einen Marktrichter und -burgfried benennt, im Jahr 1420 an die Grafen von Cilli, war danach vorübergehend landesfürstlich und bildete seit dem 16. Jahrhundert den Mittelpunkt der Grafschaft Ortenburg im Besitz der Salamanca, der Widmann und seit 1622 schließlich der (späteren) Fürsten von Porcia2. Die Forschung weiß bisher über das Spital kaum Bescheid, lediglich die Spitalkir- che tritt in den Jahren 1191–1629 in der historischen Überlieferung wiederholt in Er- scheinung. Die ortenburgische Eigenkirche, welche der hl. Maria geweiht war, dürfte laut Therese Meyer mit der heutigen Stadtpfarrkirche, die ebenfalls der Muttergottes geweiht ist, identisch sein. Als weiterer Hinweis dafür kann die Gruft der beiden Grafen, die sich unter der Stadtpfarrkirche befindet, gelesen werden3. Die Geschichte des jüngeren Hofspitals (Spittl), das Gabriel von Salamanca erbauen ließ, können wir erst nach seiner Erwerbung der Grafschaft Ortenburg im Jahr 1524 verfolgen. Neben dem Bau eines repräsentativen Renaissanceschlosses entschied sich der neue Herr- schaftsinhaber auch für Errichtung eines palastartigen Hofspitals, ohne dass wir die Gründe kennen, warum das alte Haus abgebrochen werden musste. Das Hospital wurde wegen seiner Größe an die Lieserbrücke transferiert, vermutlich auch, um den Armen die Möglichkeit zu geben, Almosen zu erheischen und sie gleichzeitig vom Markt fernzuhalten. Nach dem Tod des Grafen 1539 sollte laut testamentarischer Verfügung zusätzlich eine zweite Kirche errich- tet werden, deren Bauarbeiten bis ca. 1658 andauerten. Um das wirtschaftliche Überleben der Einrichtung zu sichern, war bereits das ortenburgische Spital von 1191 mit zahlreichen Bau- ernhuben ausgestattet worden, die ihre Abgaben an die Meierei (nachgewiesen nach 1573) zu liefern hatten. Neben dem Bargeld waren vor allem die Naturalleistungen wie Hühner- und Eierdienste bzw. die Lieferungen von Weizen, Hafer, Gerste und Roggen von Bedeutung4. Graf Salamanca sicherte seine Stiftung mit einer „ewigen Gült“ in der Höhe von 200 fl., die er am 24. Mai 1536 von König Ferdinand I. käuflich erwarb5 und die aus der königlichen Maut in Tarvis alljährlich ausbezahlt werden musste. Außerdem verlangte er die Abfassung einer Hausordnung, die nicht überliefert ist. Um das Spital wirtschaftlich nicht zu gefährden, sollten stets nur so viele Leute beherbergt werden, als es die Erträge aus den grundherrschaft- lichen Einkünften und der Stiftung zuließen. Bei seinem Ableben am 12. Dezember 1539 bestimmte Graf Salamanca außerdem, dass jede arme Person im Spital „ain Schwarz klaidt, aber ains nit Vnder drey gulden“6 erhalten sollte. 1 Grünwald–Meyer–Oberhuber–Prasch, Spuren 386–389 („Spittl-Urkunde“, 1191). 2 Deuer, Kärntner Gemeindewappen 266; Meyer, Geschichte Spittals 8; dies., Hospital 98. 3 Meyer, Geschichte Spittals 9. 4 Ebd. 9–11; dies., Hospital 99f.; Türk, Ortsgeschichte 410. 5 KLA, HA Porcia, Sch. 18, Nr. 77, Hofspital 1536–1851, Abschrift der Urkunde Ferdinand I., 1536 Mai 24. 6 KLA, HA Porcia, B 95, zit. nach Meyer, Geschichte Spittals 13.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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