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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Seite - 159 -
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Seite - 159 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1

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V.3 Kärnten: Spittal (an der Drau), Herrschaftsspital (Kommentar Nr. 47–48) 159 üble Geruch entwich. Die Armen sollten die Zimmer sauber auskehren, und die Wärterin musste darauf achten, dass vor allem die secrethäuser (Toiletten) in den Schlafstuben ge- reinigt wurden. Außerdem hatten stets die Türen gesperter wegen des bösen tampfs [zu] ver- bleiben11 – ein deutlicher Hinweis auf den hohen Bekanntheitsgrad der Miasmen theorie. Alle zwei Wochen durften die Spitalbewohner außerdem die Badestube aufsuchen, um sich säubern zu können. Die Wärterin sorgte unter Mithilfe der Spitaler für „geordnete Betten“, für saubere Leib- und Bettwäsche der Gesunden und Kranken sowie das Waschen der anfallenden Wäsche. Zusätzlich überwachte sie von morgens bis abends die überbordenden Gebets- dienste ihrer Mitinsassen und die Teilnahme an den vier heiligen Messen, die in der Ka- pelle des hl. Franciscus Xaver vom Spitalkaplan gelesen wurden. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses ließ Graf Widmann von Kopf bis Fuß einkleiden, wobei auf die entsprechende Notwendigkeit Bedacht genommen wurde. Wer im Sommer Feldarbeit leistete, erhielt beispielsweise zusätzlich weitere ein bis zwei Paar Schuhe. Die Mägde und die armen Frauen spannen, um Leinwand, Lein- und Tischtü- cher etc. herzustellen (jährlichen ein vier centen haar aufspinnen), so dass im Regelfall auf den haarmärkhten nicht zugekauft werden musste. Die Meierei produzierte bis zu drei Zentner Speck, man hielt zwölf Melkkühe, sieben Mastschweine, zwei Pferde und ver- suchte möglichst autark zu wirtschaften. Das notwendige Holz für die Anstalt stammte aus dem Spitalwald im Lippnigforst. Verstarb eine Person im Haus, so ließ der Herrschaftsinhaber möglichst rasch das An- suchen einer/eines anderen Frau/Mannes prüfen, damit die Stelle nicht länger als acht Tage unersezter verbleibe12. Eine detaillierte Dienstinstruktion wurde für den Verwalter des Hofspitals im Ok- tober 1697 nachgereicht (Edition Nr. 48, S. 641–643). Die Herrschaft verlangte von ihm traditionellerweise ein ehrbares Leben und forderte die forcht Gottes ein13. Er hatte den Benefiziaten vierteljährlich zu entlohnen, die steuerlichen Abgaben zu entrichten, das Aktenmaterial zu verwalten, die Kasse zu führen und die Tätigkeit der Meierei zu überwa- chen, außerdem hatte er die Aufsicht über das Brauhaus. Insgesamt erhielt der Verwalter für seine vielfältigen Arbeitsleistungen die Gesamtsumme von 140 fl. Das Spital dürfte im späten 17. und 18. Jahrhundert – von Jahren der Missernten ab- gesehen – wirtschaftlich durchaus prosperiert haben. So wird für 1756 ein Vermögensstand von knapp 9.100 fl. vermeldet, die Einkünfte beliefen sich auf 1.451 fl., die Ausgaben über- stiegen mit 1.470 fl. kaum das Gesamteinkommen, waren doch noch zusätzlich 282 fl. an Ausständen verbucht worden14. Um 1790 hatte sich das Vermögen auf 8.600 fl. reduziert, allerdings bilanzierte die Anstalt bei 25 Bewohnern (14 Frauen, elf Männer) sehr ausgegli- chen (Einnahmen: 1.850 fl., Ausgaben: 1.720 fl.)15. Hatte das Spital jedoch Probleme, sei- nen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, erinnerte man sich der Anordnung des Grafen Gabriel von Salamanca und man plädierte sofort für eine Reduktion der Anzahl der Insassen beim Tod eines Armen. So waren im Jahr 1760 die Ausgaben für die Kost des Per- 11 KLA, HA Porcia, Sch. 19, Nr. 78, fol. 4v; Türk, Ortsgeschichte 415; Weiss, Hund 191f. 12 Ebd. fol. 8r. 13 Ebd. fol. 14r–15v, Instruktion für den Spitalverwalter im Herrschaftsspital in Spittal, 1697 Oktober 1. 14 KLA, Milde Stiftungen I, Sch. 73, Fasz. 942, Spitalsvorschriften (allgemein), Tabellen der von der Milden-Stiftungshofkommission 1756 in Kärnten durchgeführten Untersuchung, vermutlich 1756 März, Tab. 3, Spital in Spittal. 15 Uebersicht 87.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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