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sonals auf 288 fl., der 32 Insassen auf 703 fl. (inklusive Gewand sogar auf 907 fl.) gestiegen.
Der Lohn für die Angestellten der Meierei schlug mit 109 fl. zu Buche. Aus der Bilanz von
Einnahmen (1.651 fl. 45 xr. 1 den.) zu Ausgaben (1.834 fl. 40 xr. 2 den.) erwuchs ein Ver-
lust in der Höhe von 182 fl. 55 xr. 1 den., der nicht alljährlich bewältigt werden konnte16.
Bereits im Sommer Jahr 1749 hatte Spitalverwalter Johann Anton Egartner über die
Misswirtschaft im Haus geklagt und den Herrschaftsinhaber informiert17. Eine eigens
eingesetzte Untersuchungskommission stellte fest, dass der ehemalige Spitalverwalter
die vorgeschriebenen Steuern – immerhin 1.840 fl. – nicht entrichtet hatte und dass das
Hospital für den Verlust von vier Kaplaneien haftbar gemacht wurde (354 fl.). Drei Be-
nefiziaten mussten am 26. Juli 1749 zur Befragung erscheinen und sich mit der Mittei-
lung anfreunden, dass die finanziellen Mittel des Spitals lediglich für die Armen bestimmt
seien. Da das Haus außerdem durch die wasser güss großen schaden erlitten hatte, konnte
man den Geistlichen nur mehr ein geringes Gehalt anbieten. [E]s müesten bey dermahligen
schwären zeiten alle geist- und weltliche vülles leyden und mit weniger einkünfften vorlieb
nehmen, warum solten sye just allein von dem allgemeinen mitleiden befreuet sein18, so die
lapidare Feststellung. Sollten sich die steuerlichen Abgaben wieder verringern, stellte man
eine Gehaltserhöhung in Aussicht. Der Vorschlag eines Kaplans, die Stelle des Verwalters
einzusparen, erwies sich hingegen als völlig unrealistisch.
Die staatlichen Bemühungen, die Ausgaben für die Meierei einzusparen, konnten al-
lerdings in Spittal erfolgreich abgewehrt werden19. In insgesamt zwölf Punkten wurde
auf die Notwendigkeit der Meierei verwiesen und gezeigt, dass die benötigten Produkte
(Getreide, Schmalz, Butter, Milch, Fleisch, Unschlitt, Holz, Heu etc.) im Markt Spittal
nur zu erhöhten Preisen angekauft werden konnten. Als besonderes Problem erwies sich
die Tatsache des fehlenden Wochenmarktes, der es auch Vertretern des Offizierstandes
beinahe unmöglich machte, alltägliche Lebensmittel zu kaufen. Man bat Maria Theresia
überdies, gegen den Willen der Herrschaft keine fremden Armen in das Spital „zu setzen“
und zeigte aus der praktischen Erfahrung herleitend, warum man auf keinen Fall auf die
Dienste der Meierei verzichten wollte: 6to: Seynd in diesem spital die meisten stum, taub,
lamb, mente capiti und solche leithe, welche keine münze erkhennen, und theils nicht im
stande seyn, den anderen einen trunkh wasser zu reichen, weniger zu einer beyhilff sich was
zu verdienen oder die erforderliche nothdurfften einzukauffen. Zu denen ist auch zu erwegen,
daß derley mente capiti etc. bey ihrem mängel innerlich gleichwohlen einer gesunden natur,
wie leicht zu erachten eine weith grössere und stärkere nahrung alß and[er]e nur eraltete leuthe
brauchen20. Diese Argumentation stieß bei der Kaiserin nicht auf taube Ohren, denn die
Meierei bestand zumindest noch im Mai 178021, allerdings musste aus Kostengründen die
Anzahl der Armen auf 24 reduziert werden22.
16 KLA, Milde Stiftungen I, Sch. 71, Fasz. 933, Hofspital Spittal, Fassion Hofspital St. Francisci Xaveri
zu Spittal, 1760 November 20.
17 KLA, HA Porcia, Sch. 18, Nr. 77, Relations Copi, Klagenfurt, 1749 September 21.
18 Ebd.
19 Ebd. Notata wider die von ihro röm. kay. königl. maj. allergnadigst bevorhabende verkauff- und verehr-
lassung hiesiger spittl-mayrschaffts gründen und dißfahl sich eussernd unthunlichkeit, 1756.
20 Ebd.; Weiss, Hund 186.
21 KLA, HA Porcia, Sch. 18, Nr. 77, Bestätigung der Fundation durch Maria Theresia, 1780 Mai 27.
22 KLA, Milde Stiftungen I, Sch. 71, Fasz. 933, Hofspital Spittal, Stiftbrief des Joseph Fürst von Por-
cia, 1780 März 20.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 1
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Medizin