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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Seite - 165 -
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VI.3 Steiermark: Bruck/Mur – Bürgerspital (Kommentar Nr. 51) 165 VI.3 Steiermark: Bruck/Mur – Bürgerspital (Kommentar Nr. 51) Die Stadt Bruck an der Mur liegt an der Einmündung des Flusses Mürz in die Mur und ist bereits seit der ersten Besiedlung ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Aufgrund die- ser ausgezeichneten Verkehrslage, aber auch durch zahlreiche landesfürstliche Privilegien, nahm die städtische Wirtschaft einen deutlichen Aufschwung im Salz-, Wein- und Eisen- handel. Bald nach der Neuanlage beziehungsweise großzügigen Erweiterung der Stadt durch König Přemysl Ottokar II. dürfte die Errichtung des Bürgerspitals an der Leobener Brücke erfolgt sein (nach 1265)1. Durchaus (ideal-)typisch war dabei der Bau der Anstalt an einem der Ansiedlung gegenüber liegenden, überbrückten Flussufer (heute Dr. Theo- dor Körner Straße 37)2. In enger Beziehung zum Bürgerspital stand – wie auch an ande- ren Orten – der Sakralbau der Spitalkirche zum Heiligen Martin, die beide vor 1329 in einer testamentarischen Verfügung Elisabeths, der Gattin König Friedrichs des Schönen, Erwähnung fanden. Im Jahr 1367 bestätigte Erzbischof Pilgrim von Salzburg eine Früh- messe in der Kirche durch Gunther Frischer und nach dem verheerenden Stadtbrand von 1467 gewährte Kaiser Friedrich III. der Anstalt seinen besonderen Schutz. Erst aus einem Visitationsprotokoll des Jahres 1544 wird ersichtlich, dass die Anstalt von Bürgern gestif- tet wurde und 16 Pfründner zu versorgen hatte, die täglich drei Mal zu speisen waren3. Bedauerlicherweise wissen wir über die Frühzeit des Spitals nur sehr wenig4 und erst im 18. Jahrhundert wird die Aktenüberlieferung deutlich dichter. Doch auch diese Zeug- nisse sind zu problematisieren, da sie uns allzu häufig bloß über Skandale informieren und den Alltag der Hospitalbewohner/innen kaum durchscheinen lassen. Im Mai 1728 hielt der Bericht der abgesandten Untersuchungskommission, die sich um einen besse- ren Fortbestand der Anstalt kümmern sollte, explizit den Zweck des Hospitals fest. Laut Gutachten war es zunehmend von Wohltätern dotiert worden, damit die etwan durch feuersbrunst oder andere unglikhsfähl erarmete und mühesellige burgersleüthe oder derensel- ben kinder darinen verpfleget und versorget werden könnten5. Ein Blick auf den städtischen Feuerkalender6 bestätigt diese frühneuzeitlich formulierte Notwendigkeit. Das Haus be- saß zu diesem Zeitpunkt noch 38 Tagwerk Wiesen und Ackerbau, die jedoch zum Teil bereits verpachtet worden waren, lediglich die so genannte Hausnotdurft musste das Mei- ergesinde in Eigenregie bebauen. Das Gesamtinventar wies eine Vermögenssumme in der Höhe von 8.402 fl. 7 ß. 24 den. auf, der jedoch Schulden von 1.373 fl. 13 den. gegen- überstanden. Das Spital musste 1728 insgesamt 22 Spitaler (5 M, u. a. den ehemaligen ca. siebzigjährigen Spitalmeier, 15 F und zwei Kinder) ernähren. Die Klientel war nicht leicht zu handhaben, da sich unter den Männern auch zwei Blinde, ein Stummer und ein „Verrückter“ befanden. Bei den Frauen wurde neben drei behinderten Personen (eine 1 Pils, Städtische Anfänge 323–355, zur Topographie von Bruck an der Mur 327. 2 Watzka, Arme, Kranke, Verrückte 52; Pink–Pokorny, Inszenierung des historischen Bürgerspitals 18; Weiss, Karitativer Stadtraum 447–472. 3 Pils, Städtische Anfänge 335; Schweighardt, Entwicklung der Spitäler 28f.; Vlasaty, Spital 19f.; Wichner, Heilwesen 61f. 4 Pink–Pokorny, Inszenierung des historischen Bürgerspitals 21–24. 5 StLA, Weltliche Stiftungsakten 74, K. 223, Nr. 3, Bericht und Gutachten zur Untersuchung des Bürgerspitals zum hl. Martin in Bruck an der Mur und dessen künftige bessere Einrichtung, 1728 Mai 4, fol. 40r–v; Schweighardt, Entwicklung der Spitäler 50. 6 Schweighardt, Entwicklung der Spitäler 28, so z. B. in den Jahren 1382, 1461, 1510, 1530, 1683, 1688, 1792, 1797 und 1805.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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