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blinde Frau, zwei mental beinträchtigte Frauen) auch die Krankenpflegerin aufgelistet;
überdies war bei ihnen die (Alters-)Zusammensetzung sehr inhomogen und reichte von
18 bis 90 Jahren. Drei Frauen waren zum Erhebungszeitpunkt gerade erst verstorben.
Neben den Insassen lebten noch das Meierehepaar und fünf Dienstleute im Spital. Da die
durchschnittlichen jährlichen Erträge (1713–1718) nur knapp 495 fl. ausmachten, die
Ausgaben sich jedoch auf 559 fl. beliefen (wodurch sich ein jährliches Minus in der Höhe
von ca. 63 fl. ergab), riet die Kommission zur Reduktion der Insassenzahl, zur Aufgabe
der kostenintensiven Meierwirtschaft und der Naturalverpflegung, zur Verpachtung aller
Gründe und zum Verkauf der verlustträchtigen Weingärten in der Nähe von Maribor/
Marburg. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt wollte man künftig überdies die seelen speis
der Armen besser überwachen lassen7.
Wie aus den Insassenlisten ersichtlich wird, fristeten sogar verwaiste und verlassene
Kinder ihr Dasein im Bürgerspital. Um in dieser Situation Abhilfe zu schaffen, stiftete der
Brucker Bürger Dr. Johann Jakob von Welß 1698 ein wayßel hauß für zwölf arme Kna-
7 StLA, Weltliche Stiftungsakten 74, K. 223, Nr. 3, Bericht und Gutachten zur Untersuchung des
Bürgerspitals zum hl. Martin in Bruck an der Mur und dessen künftige bessere Einrichtung, 1728 Mai 4, fol.
38r–47v; Inventar des Bürgerspitals in Bruck an der Mur, 1728 März 9, fol. 48r–61v; Calculus des burger spittall
bey st. Martin zu Prugg an der Muhr einkombnus und ausgaaben, so aus sechs jahrs rechnungen als de anno 1713 bis
1718 und anderen documentis projectiret worden, fol. 87r–88v; Schweighardt, Entwicklung der Spitäler 32–42;
Pink–Pokorny, Inszenierung des historischen Bürgerspitals 25f., 43–47, 50–54.
Abb. 18: Bruck an der Mur; Bürgerspital (Dr.-Theodor-Körner Str. 37) mit Martinkapelle in der Darstellung
einer Visitationskommission: Abriss des burger spittalls zu Prugg an der Muhr, wie es jennseits der Muehr oder von
mittag seithen anzusehen ist, Anno 1730 (Quelle: StLA, Weltliche Stiftungsakten 177).
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 1
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Medizin