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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
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VI.3 Steiermark: Bruck/Mur – Bürgerspital (Kommentar Nr. 51) 167 ben, die vom achten bis zum vierzehnten Lebensjahr versorgt werden sollten. Zusätzlich zu den aus Bruck stammenden Waisen wurden auch männliche Kinder aufgenommen, deren Eltern sich die Versorgung des jeweiligen Knaben nicht leisten konnten. Laut der Waisenhausordnung des Jahres 1762 mussten die Kinder den Schulunterricht besuchen, an der heiligen Messe bei den Minoriten teilnehmen, die vorgeschriebenen Gebete ver- richten und reimiedig beichten. Im Vergleich zum Bürgerspital wurden sie ebenfalls aus- reichend mit Nahrung versorgt, vom Schulmeister und der Haushälterin betreut, hatten keinerlei Hand- oder Hausarbeiten zu leisten und durften sogar am köglspill teilnehmen. Am Mittwoch und Samstag waren sie halbtags außerdem vom Lernen befreit. Trotz dieser durchaus positiven Ansätze war der Anstalt keine lange Dauer beschieden, denn bereits 1769 kam es zur Aufhebung und die sechs noch im Haus wohnenden Knaben mussten in das Grazer Waisenhaus übersiedeln8. War die seelen speis den Bürgerspitalinsassen meist nicht so wichtig, so konzentrierte sich deren Interesse auf den wöchentlichen Speiseplan und dessen Reichhaltigkeit (Edi- tion Nr. 51, S. 654f.). In Bruck an der Mur wurde 17289 zwar nicht explizit auf eine Frühmahlzeit (Frühstück) verwiesen, doch darf man annehmen, dass zumindest Brot (vielleicht mit Schmalz bestrichen) oder Brei und Wasser konsumiert worden sind. Die Dienstleute hingegen bekamen morgens eine Suppe und mülch koch. Als Hauptgang erhielten die Armen vier Mal pro Woche Suppe, Kraut, Selchfleisch mit Knödel oder Strudel, einmal Suppe, Kraut und Rindfleisch, einmal Kraut mit Nudelbrot und ein- mal lediglich Kraut sowie Bohnen. Abends kamen zwei Mal Suppe und Kraut, zwei Mal Suppe, Kraut und Selchfleisch, einmal Kraut und Ritschert, einmal Suppe und Nudelbrot und einmal nur Suppe auf den Teller. Der Anteil an Fleisch ist im Vergleich zu ande- ren Versorgungsanstalten und zum bäuerlichen Speiseplan als sehr hoch anzusehen. Brot wurde nach Bedarf vorgeschniten und Wein wurde üblicherweise gemischt mit Wasser zur Verfügung gestellt10. Damit die Insassen nicht in zerlumpter Kleidung das Haus verlie- ßen, stellte ihnen die Verwaltung pro Jahr zwei Paar Schuhe, ein Paar Strümpfe und zwei Hemden zur Verfügung, andere Kleidungsstücke konnten die Armen nach Bedarf und nach Verschleiß einfordern11. Vorgesehen war für Frauen- und Männer eine einheitliche Oberbekleidung (die manß personen lodene rökh und hosen, die weiber gleichfahls lodene rökh und leinene küttlen), die es den Stadtbewohnern erleichterte, die Spitaler visuell im öffentlichen Raum rasch zu erkennen12. Waren bereits bei der Spitalvisitation des Jahres 1728 Mängel festgestellt worden, so wurde Untersuchungskommissar Johann Adam Felix von Mainersperg im Frühjahr 1730 bei der Besichtigung der Spitäler in Obersteier in Bruck erneut fündig13. Betrat man das Haus, so lag neben dem Eingang die Meierstube, eine große Küche, sechs fensterlose 8 Schweighardt, Entwicklung der Spitäler 77–86; StLA, Weltliche Stiftungsakten 83, Teil 2, K. 302, fol. 844r–v, Extract aus dem Testament des Dr. Johann Jakob von Welß, Graz, 1706 April 19. 9 StLA, Weltliche Stiftungsakten 74, K. 223, Nr. 3, fol. 83r–86v. 10 Watzka, Arme, Kranke, Verrückte 66–69; Pink–Pokorny, Inszenierung des historischen Bürger- spitals 47–49; Schweighardt, Entwicklung der Spitäler 57–59. 11 Watzka, Arme, Kranke, Verrückte 76; Pink–Pokorny, Inszenierung des historischen Bürgerspitals 50. 12 Weiss, Karitativer Stadtraum 447–472. 13 StLA, Weltliche Stiftungsakten 74, K. 223, Nr. 6, 1730 Mai 5, Untersuchung der Hospitäler in Obersteier (Bruck an der Mur), fol. 151r–163v; Kommissar Johann Adam Felix von Mainersperg an die Landes- sicherheitshofkommission, 1730 Mai 10, fol. 164r–175v; Abrisß deß burger spittalls zu Prugg an der Muehr, wie es jennseits der Muehr, oder von mittag seithen anzusehen ist. Anno 1730; Abrisß deß burger spittalls zu Prugg an der Muehr, wie es von der landt strass, oder nordt seithen anzusehen ist. Anno 1730.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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