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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Seite - 171 -
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VI.3 Steiermark: Bruck/Mur – Bürgerspital (Kommentar Nr. 51) 171 Probleme mit den Insassen, aber überdies mit der Dienstauffassung der Hospitalmeis- ter dominierten weiterhin den Hospitalalltag des 18. Jahrhunderts. Hatte Amtsinhaber Mathias Seyfriedt im Juni 1752 zu einer Verbesserung der Geschäfte beigetragen, indem er mit der Forderung bei der Hofkommission durchgedrungen war, dass künftig alle Rechnungen jährlich zu prüfen waren27, so desavouierte Franz Supper erneut die Position des Hospitalmeisters aufgrund seines Fehlverhaltens. Eine Untersuchungskommission unter Leitung des Kreishauptmannes stellte im Jänner 1757 fest, dass die Insassen wieder- holt verdorbenes Fleisch essen hatten müssen, welches bereits mit Maden durchsetzt war. Supper behielt nach der Schlachtung der Tiere stets die besten Fleischteile für sich, er ließ seine eigenen Gründe durch das Meiergesinde bebauen etc. Da die Spitalmeisterin bei der Befragung durch die Untersuchungskommission die Contenance verlor und der Stadt- richter beigezogen werden musste, empfahl man die Absetzung des „Amtsehepaars“28. Die hausinternen Probleme wirkten sich negativ auf die „Moral“ im Spital aus. Kom- missar Franz Joseph Schrägl vermeldete im Mai 1757 in seinem Untersuchungsbericht, dass in Bruck der zanck, neyd und hasß regieret und wegen denen stüzigen köpfen der spittal- meister, wann er nicht sein leben abkürzen will, selbsten nachgeben muß 29. Um die Illusion eines friedvollen Zusammenlebens wieder vordergründig herstellen zu können, sollten die Regulen und satzungen vom 22. September 1731 (Edition Nr. 50, S. 650–653) im Haus gut sichtbar aufgehängt und verlesen werden30, eine Methode, die rasch an der Realität scheiterte. Versorgte die Einrichtung um 1790 noch 14 Personen (5 F, 9 M)31, so wollte die Lei- tung diese Anzahl nach 1811 aufgrund der Zinserträge auf nur neun Insassen reduzieren. Da jedoch 15 Menschen im Haus wohnten, durfte längerfristig niemand aufgenommen werden32. Im Februar 1831 erhielt das Gebäude eine neue, zusätzliche Funktion, der k. k. Magistrat von Bruck adaptierte die Räumlichkeiten als Choleraspital33. 1938 mussten die letzten Pfründner/innen ihre Heimstätte verlassen, da das Haus nunmehr für militä- rische Zwecke in Verwendung stand34. Seit jüngster Zeit nützt die „Höhere land- und forstwirtschaftliche Schule“ (hfls bruck/mur) das denkmalgeschützte Objekt in sinnvoller Weise. 27 Ebd. Nr. 100, Hofkommission an Buchhalter Franz Joseph Kölbl, 1752 Juni, fol. 785r–788v. 28 Ebd. Nr. 123, Hofkommission an den Magistrat zu Bruck an der Mur, 1757 Jänner 28, unfoliiert. Um die Willkür bei der Essenszubereitung zu beenden, wurde ein neuer Verpflegungsentwurf vorgelegt (Nr. 125, 1757 Februar). Zur Frage der (Leitungs-)Tätigkeit von Frauen in Hospitälern siehe Vanja, Amtsfrauen 76–95. 29 StLA, Weltliche Stiftungsakten 74, K. 225, Nr. 130, Untersuchung des Bürgerspitals in Bruck an der Mur, 1757 Mai, unfoliiert. 30 Ebd. 31 Uebersicht 81. 32 Schweighardt, Entwicklung der Spitäler 52. 33 Pink–Pokorny, Inszenierung des historischen Bürgerspitals 27. 34 Schweighardt, Entwicklung der Spitäler 70.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
1
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorie
Medizin
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