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I. Österreich: Hofspitäler (Edition Nr. 1–16) 495
aufs treulichest und vleissigest aufgewart, wie ime der halben ain sonndere verzaichnuß
ist zuegestellt worden, und daneben die armen leydt in beruertem spittal, auch die, so
ire aigne ferweyl im margkht, aber auch aus der spittalls einkhomben ir wochennlich
almußen gellt endpfhachen, zue herung des hailwertigen wordt Gottes und zu dem
gepet ernnstlich gehallten werden und wie es die hochgedacht khu(nigliche) m(ajestä)t
verordennt, das für sein khu(nigliche) m(ajestä)t derselben liebisten khünigkhliche
khinnder seiner maiestet geliebte gemachl die römisch khünigin hochlöblicher
gedächtnuß und die [4v] hochloblichen fürsten von Össterreich, auch umb alles annligen
der gannzen cristennhait andächtigkhlich gepet werde, er soll auch bei dem Spitzer darob
sein und selbs darauff sechen, das die spittalkhirchen gegen der nacht gesperrt und nit
offen gelassen werde.
[6.] Unnd damit berüerter gotzdiennst umb sovil stadtlicher und desster vleissiger
verricht, so soll gemellter spittalmaister dem pharrer alhie zu Haalstat, auch fronambter
und schuelmaister, alls die hiezue verordennt und solchem gotzdiennst verrichten
muessen, ire belonungen alle viertl gegen iren quittungen ordennlich raichen, alls dem
pharrer alle viertl 2 tl. 2 ß. den., dem fronambter 1 tl. 4 ß. den. und dem schuelmaister
2 tl. 2 ß. den., das bringt auf sy drey ain jarr 24 tl. den. und solche ausgab unndter ainer
sonndern ruberigkhen in sein rayttung stellen.
[7.] Wie es mit erkhauffung des wachs und machung der khörzen zu nodturfft
beruerts gotzdienst in der spittalkhürchen bisher gehalten und was sonnst zu gebürlicher
beleichtung die notturfft erfordert, das soll ernenndter spittalmaister von dem spittal
gellt verrichten, [5r] und unnder ainer sonndern ruberigkhen in sein ausgab stellen unnd
verraytten.
[8.] Nachdem die khu(nigliche) m(ajestä)t etc. den armen leydten bewilligt, den
preüwidt aus dem haalwidt die notdurfft nemben zelassen, solle dasselb yeder zeit mit
vorwissen hoffschreibers und verweeser, auch der weydt nach der weill gemessen und
getragen werden, darvon soll er, spittalmaister, das trager- und hagkherlon bezallen unnd
unndter ainer sonndern ruberigkhen in sein ausgab stöllen.
[9.] Mit dem einhaitzen in den stybnen, auch in beeden khuchlen, sol er guete
ordnung hallten lassen, damit di armen leydt ir zimbliche wirm haben und das dannocht
di verschwenndtung des holltz verhuet werde.
[10.] Gedachter spittalmaister solle alle tag der erst auff und der lezt nider sein und
zu khainer zeit schlaffen geen, es seien dann sonnst yeder mann in dem haus zu ruee,
feur und feuerstet bewart, die fennster und hausthürr beschlossen und annders, so ainem
gueten hauswierdt zuthuen zuesteet, zuvor verricht und versorgt, damit khain schaden
bescheche und in sonnderhait das khain puchl in dem spittall getragen. Es soll auch den
armen leydten verpodten sein, bei der nacht khain liecht oder feur in den khambern
zu haben, [5v] dardurch schaden ervollgen möchte, aber ichts desster weniger, wo es die
nodt so groß erfordert, sonnderlich aines khrannckhen und ligerhäfftigen, sol es innen
zuegelassen sein, derhalben dann ir yedes derselben chämerl ain eyserene latern, darein
man ain khörzl stöckhen müge, gemacht soll werden.
[11.] Ferrer solle er, spitalmaister, sein vleissige achtung haben auf die armen leydt, so
im spital wannen, daz sich ain yeder an seinem eingegebnen platz benuegen laß und sich
mit einannder nit hadern oder khriegen, sonnder fridlich mit einannder leben, wo aber
solches nit abstellen khundt, daß yeder zeit dem hofschreiber anzaigen, der in bevelch,
wie er sich gegen dergleichen unverträglichen personnen hallten soll.
[12.] Was schullden und ausstänndt, auch järlich zünnß und diennst zu bemeltem
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin