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IV.2 Salzburg: Mühldorf/Inn – Bürgerspital und Bruderhaus (Edition Nr. 28–30) 557
IV.2 Salzburg: Mühldorf/Inn – Bürgerspital und Bruderhaus
(Edition Nr. 28–30)
Nr. 28
Ordnung und Speiseordnung der Bürgerspital-Ober- und -Unterpfründner in Mühldorf/Inn
(Bayern).
Mühldorf, 1667
Archiv: AES, 11/77 Inventare, Rechnungen, Ein- und Ausgaben in den Jahren 1665–1672,
fol. 726r–729 v
[726r] 1667 Saz- und ordnung der ober- und undterpfriendter in dem spital zu Mildorf
[1.] 1. Anfenkhlichen weilen alle wohl- und guetthaten von dem allmechtigen Gott
herriehren, sollen die armen zuvorderist Gott und dem threüherzigen stifftern für daß
almuesen täglich mit bettung eines rosencranzes dankh sagen.
[2.] 2. Weiln Christus fridt und ainigkheit in der heilligen schrifft sonderbar erhebt
und preiset, auch selbsten underschidlichmahl seinen lieben jingern den friedten
verkhindt und gewintscht hat, demnach sollen die armen dahin beflissen sein, damit
hechste ainigkheit under ihnen erhalten werde, betrachtendt, das es nit ein zankhhaus
seye, sondern vilmehr sollen sie in aller Gotts forcht, zucht und erbarkheit gegeneinander
wie brieder und schwestern leben, weilen dergleichen örther zu disem zihl und endt von
gottseligen christen menschen gestifftet worden, hingegen sollen die widerspenigen und
unfriedsamen durch geistlich- und weltliche obrigkheit, auch die verwalter abgestrafft,
und da nichts helffen werde, gar auß dem spital verwisen werden.
[3.] 3. Sollen sie allweg durch daß heilig gebett die ehr Gottes zubefirdern, dahero
morgens frue, wan man aufsteht, zu abents, wan man schlaffen [726v] geht, samentlich oder
absonderlich in der stuben oder in ihren cämerlein vor der bildtnuß Christi auf die khnie
niderfahlen und dem allmechtigen Gott für die wohlthatten durch selbige nacht und tag
demietigclich dankhen, nit weniger soll es geschechen, da man in der frue, zu mittag und zu
nacht daß ave Maria, am Pfinzstag die angst, am Freytag das tenebrae oder schidung leüdet,
darzue alle Sambßtag das salve regina in unser lieben frauen capellen am plaz, und in der
Fasten daß miserere unnd predig, so sie in der stifftkhirchen gehalten werden, besuechen.
[4.] 4. Zu deme solle auch vor und nach dem tisch ein pfriendtner, der lesen
khan, sowol in der obern- alß undtern pfriendt auß des Peter Canisii catechismo daß
gewohnliche tischgebett vor und nach dem essen langsam und lautt vorbetten, damit all
andere gleichfahls andechtigclich nachbetten khindten.
[5.] 5. Sie sollen auch täglich dem opffer der h(eiligen) mesß mit ihrem gebett
andechtig und mit schuldiger reverenz oder dankhsagung für die stifftung von anfang biß
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin