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IV.3 Salzburg: Salzburg (Stadt) – Bürgerspital, Bruderhaus und Leprosenhaus (Edition Nr. 31–35) 569
[21.] Item es sol auch ain yeglichs den haimlichenn gemach oben unnd unnden
brauchen unnd den sauber innhaben, imm ganng nit unseuberen in khain weis, darumb
dann manigs groß mißvallen unnd grausen darob nymbt. Wer aber den gemach und
seinen eingang unseubert und begriffen wirt, dem sol die pfrunt genomen werden
desselben tags durch den unndtermaister oder durch dy geordennt perschon abgeschafft
werden.
[22.] Item die den kranngkhen aufwarten, die sollen mit ine freundlich und
gutwillig hanndlen, willig und geduldig mit ine sein. So khumbt in solche mue und
arbait zu grossem verdienen und belonen bey Got, dem allmechting. Es sollen auch die
kranngkhen solche dinstperkhait unnd aufwartung mit geduld und gutigkait aufnemmen,
aus genaden und durch Gots willenn und nit aus gerechtigkhait sein, was ine in solchem,
welches kranngkhs, aber so ungeduldig oder untugenntlich wäre, der nit vergut wolt
haben [130 r] und wollt also bey dem allmusen sein törsch und hochfart treyben, das mag
man aus dem spital schaffen oder unpflichtigklichen ligen lassen als lanng und es sich
selbs erkhennet.
[23.] Item es mag auch ain jeglichs nach gewonhait und herkhommen an den
heyligen tägen des jars, auch an den Sonntägen unnd annder feyrtägen nach den mëssenn
und singen im spitel hinauff zu der statpfarr geen zu dem gotsdinst, zu bredigen oder in
annder kirchen, da man dann gotsdinst verbrinngen ist, und sollen nit pflichtig sein, an
denselbigen tägen bey der vigili zubeleiben, ob man die singen ist.
[24.] Item es sol auch ain yedlichs an dem feyrabendt des jars auffhoren von allen
leiblichen arwaitten, so man im thumb das klain vesper glögkl anzeucht. Wer das
überdritt, dem sol ain unndtermaister die pfrundt verpietten und nemmen zenacht und
zemorgens.
[25.] Item es sol auch khains, das in dem spital ist, zwischen den eehalten und
dinstpoten unzimlich und unpillich unwellen und unrue machen noch zwischen [130 v]
dem unndermeister und dinstpotn noch undereinannder. Sy solle auch sich mit dem
maister und dinstpoten frundtlich betragen, lieblich gegen ine stëllen und gutwilligklich
dinst von ine auffnemen. Wer also anders gefunden wurde, der werd gestrafft imm
khöterlen oder die pfrundt werd im genommen nach verhanndlung etc.
[26.] Item ob sich begäb, daz sich zway miteinander bekriegten und aineinannder
schänntlich, schimpflich, verschmächlich hielltenn und aufrichtend oder aneinannder
schluegen oder raufften, die werden in dem khöterlen gestrafft oder die pfrundt verpoten
und genommen, nach dem und der hanndel gefunden wirdet, und sol ains dem anndern
solch belaydigung diemutigklich treulich widerumben abbitten.
[27.] Item es sol auch khains den annderen unrue und ungemach auffthun zu
gewönlicher slaffzeit, so aber ains imm petth bettet, das da nit slaffen mag, das nit zu
laut wär, so sol doch ain yedlichs, das an ain sölhs ligen ist, mit geduldt leyden, wann ye
gute werch mit geduld und danngkhperkait geliten sollen werden. Wer aber unbillich
ungemach, wie da stet, verhandelt, dem sol die pfrundt zumorgens genommen werden.
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[28.] Item es soll auch ain yedlichs, daz im spitel ist, es hab pfrundt oder nit, es sey
knecht oder dieren, das da säche oder wësst schäden des spitalls, der geverlich wär oder
ains vom anndern unpillich schadhaft hänndl westen oder abtragen verstünde oder
solchen unbillichen hanndl nit brächt an ainen spitelmaister oder unndermaister nach
gestallt des hanndl und verhielt das aus sorg, ungunst oder vorcht etc., das sol durch den
spitlmaister gestrafft werden, als in das khöterl gelegt oder die pfrundt verpoten werden.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin