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570 IV.3 Salzburg: Salzburg (Stadt) – Bürgerspital, Bruderhaus und Leprosenhaus (Edition Nr. 31–35)
[29.] Item es sol auch ain wolgeleunter, erberger, vernünftiger man allzeit zu ainem
unndermaister aufgenommen werden, der sol sein als ain hausvater und hauswirt ob dem
hausgeschefft und sol der armen leutten in allen purlichen und billichen dinngenn und
geschefften, auch den dinstpoten ain treulicher, ungeverlicher vorganng sein, nyemand
übl hanndlen, fluechen noch schellten oder schenntten. Er sol auch treu, erbrig und
auffrichtig sein über alles, das ime bevolhen und furgelegt wirdt, zu kiechen, zu kheller,
zu fleischpanngkh und in allen annderen hausgeschefftenn und notturften. Er sol auch
vleissig aufsehn und zueluegen haben bey den verlassen haben und gutern der armen leut,
so dy beleiben oder gestorben sind. Solche verlassne [131v] hab und guter aigenntlich
und treulich wissen dem spitalmaister oder spitalmaistrin zu anntworten on abganng.
Er sol auch wesennlich stëllen und innhaben dy gasstkheller mit irem petgwanndt, mit
aller zuegehorung sauber zuhalten un[d] in verlust und abschlaypfung nit khomen lassen.
Er sol auch mit vleis in der khuchen darob sein, daz dy speis der armen leutt sauber und
ordenlich kocht, treulich, nutzbarlich und ungeverlich angericht und ausgetailt werde.
Er sol auch bey dem pegkhen aufsehen haben, daz er das brot treulich pach in seiner
geordenten gross und guet. Er sol auch besonnder vleis unnd aufsehen haben bey dem
feur und liechter in der kuchl und annderen örtern verhuetten, daz nit schaden davon
komme und nit ungevarlich gebraucht und gehallten werde allennthalben von ainem
yeglichen. Er sol auch alle nacht nach gewonhait vleis haben, daz das spitel hynnden
und vor zu rechter weil und zeit gespert werde und besonnder der spitelhoff und seine
thorr gesperrt werden bey guter zeit, damit das holltz verhuet und annders on verlust
und schaden gehallten werd. Es sol auch ainen yeglichen unndtermaister aller hausradt
und hausgeschirr in geschrift unnd genwurtigkhait von ainem yedlichen spitalmaister
eingeanntwort, so der an steen ist, [132 r] und so der abstet, wider also nach im lassen on
abganng veranntworten. Darumb sol der vleis ankeren bey annderen dinstpoten, damit
solch hausgeschirr nit unpillich verfuert, zerbrochen und vertragen werde. Wurd aber
ain solcher unndermaister an ainem oder mer begriffen nachlässiger, wie oben gemellt,
das sol er puessen und verloren haben und nit das spital und im abgeen an seinem lon.
Ob aber der auch in unfueglichen und unerbrigen hanndlen ainem oder mer begriffen
wurde, darumb sol ine der spitlmaister straffen oder durch merer verschuldung durch den
spitalmaister bracht werden fur die heren der stat und nach gelegenhait des hanndls vor
denselben gestrafft werden, wie sich rechtt erfindet und gibt.
[30.] Item es sol auch ain unndtermaister all speis, kheller und gemäch versperrt
habenn und er alain sol slussl dartzue habenn.
[31.] Item es sollen auch knecht und diern underthenig und gehorsam sein ainem
undermaister zu den hausgeschefften und notturfftenn der armen leut und des spitels,
denselben waschen und pëtten on besonnder belonung zu seinen gewondlichen und
geburlichen zeitten, ainem als dem anndern ungeverlich [132v] heben, legen unnd annder
pflichtung thun, wie herkhommen ist, on wider rëde. Sy sollen auch dy armen leut nit
smächlich noch unwirdigklich haben in der khuchen noch bey dem herrdt, demselben
nach irer notturfft verghönnen zeraichen und den daselbs hanndraichig sein, frundtlich
mitsamen ainig, barmhertzig mit dem hanndlen und wesen fueren und khains in notturft
für das annder zefurdern oder zehabenn. Sy söllen mit der armen leut unnd des spital
hab und gut allenthalben treulich unnd erbarlich hanndeln und verhuetten. Es sollen
auch knecht und diern das hausgeschirr und hausrat treulich brauchen, sauber halten
und aufheben, daz derselb nit unbillich zerbrochen, verfuert und verloren werde durch
unordenlichkait und nachlessigkhait. Es sollen auch dy khöchin unnd unndter diernen
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin