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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Seite - 623 -
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Seite - 623 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2

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V.2 Kärnten: Klagenfurt – Bürgerspital und Armenhaus (Edition Nr. 41–46) 623 schon so weit gekommen ist, daß dieses spital fast nicht mehr einer milden stifftung alß vielmehr einer auffenthalt gott- und gewissenloser menschen gleich siehet, dahero ist vor nöthig befunden worden, denen pfriendtnern und in denen stifftungen befindlichen spitälern, sowohl alß denen dienstleuten gewiße reguln und ordnungen vorzuschreiben, denen sie sammentlich genau und mit allschuldigsten gehorsam, bey vermeydung wohl empfindlicher bußen oder nach befund des verbrechens gar bey ihrer außstossung auß dem spital und stifftungen nachzuleben wissen werden. [1.] Alß erstlich: sollen alle spitäler, keiner außgenommen, ein christ-catholisch und frommes leben führen und nicht dem muthwillen, boßheit, faulheit, müssiggang und übermässigen trüncken, sondern der tugend, gottesforcht und andacht, wie auch der nothwendigen handarbeit sich ergeben, damit sie [139v] vor allen dingen das heil ihrer seelen befördern und der genüssenden stifftung und des spitals werth und würdig gehalten werden mögen. [2.] Andertens: solle sich auch keines auf das bettlen begeben, damit sie nicht Gott die kostbare zeit und denen andern bedürfftigeren armen leüten das almosen und brod abstehlen, sondern sie sollen vielmehr mit der gewöhnlichen spitalkost vergnügt und zufrieden von hertzen sagen: mein speiß ist, daß ich erfülle den willen Gottes, der da will, daß ich in armuth und im spital leben solle. [3.] Drittens: sollen alle spitäler (die einfältigen außgenommen) öffters das jahr hindurch beichten und das hochwürdige sacrament des altars in der spitalkirchen mit andacht empfangen, in sonderheit an denen hochen festtägen unsers herrn und heilands, alß da ist: zu Weyhnachten, Ostern und Pfingsten, item an denen festtägen unser lieben frauen, alß am fest der reinigung oder [140 r] Maria Lichtmeß, verkündigung, himmelfahrt, gebuhrt und unbefleckten empfangnuß Mariae, wie auch am fest des heiligen kirchen- und pestpatrons Sebastiani. [4.] Viertens: sollen alle spitäler, welche sowohl die ordinari pfriendt alß stifftungen genüssen, täglich der heiligen meß in allhiesiger spitalkirchen, wie auch täglich abends dem rosencrantz und lytaney auferbäulich und andächtig beywohnen, solches gebett mit einander laut betten und für die lebendigen und verstorbenen gutthäter Gott, dem allmächtigen, aufopfern; nicht aber auß einer ungescheyden und eigensinnigen andacht unter dem rosencranz und litaney auß einem büchl betten, indeme das laute, allgemeine und mit mehr andern vereinigte gebett Gott angenehmer ist, alß das stille und besondere gebett. [5.] Fünfftens: wann aber einer sollte verhindert werden, dem täglichen heiligen meßopfer oder dem gewöhnlichen rosencranz (welcher im Winter um 5, im Sommer [140 v] aber um 6 uhr nachmittag gehalten wird) und der litaney beyzuwohnen, der solle sich bey dem herrn beneficiatena entschuldigen und ihme die ursach seiner abwesenheit mit grund der wahrheit andeüten; welcher aber zu solchen Gottesdiensten ohne erheblicher ursach außbleiben oder bey dem herrn beneficiaten seines außbleibens halber sich nicht entschuldigen wurde, der solle die wohl verdiente buß ohne einziger widerred auß zu stehen haben. [6.] Sechstens: sollen alle spitäler auf das möglichste beflissen seyn, die sünden und gelegenheit zu sündigen, wie auch alle seelengefahren, alß da seynd, das spilen, aydschwühr, zankhändel, rauffereyen und vollsauffen zu vermeyden. Item sollen sie in keine grobe, ärgerliche schelt-, fluch- und schmachwortt auß zohrn über ihren nächsten a -ne- über der Zeile nachgetragen.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Spital als Lebensform
Untertitel
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Band
2
Autoren
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
722
Kategorie
Medizin
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