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VII.3 Oberösterreich: Freistadt – Bürgerspital (Edition Nr. 98–103) 777
den heilligen fast Weichnacht tag zuverstehen ist, item in der Fassten alle Freytag jeden
suppen, khraut und ain häring, entgegen soll er aber khnoden oder khoch nit raichen.
[4.2] An St. Joannis Baptistae tag solle jedem spitaller für andere speiß hambenfleisch,
khrauth, schmalzkhoch und gersten [/] sowollen jedem ain kandl pier gegeben werden,
weillen von hamben andern schweinen fleisch und pradtwürst etwas übrig verbleibt,
dasselbig zu andern zeiten alß an Sonntagen nach gelegenheit undterspickhen und
einthaillen, sowollen auch die speüsen, was nit abgenomben wirdet, weill man stettigs bey
dem spitlhoff zween zuchtpern halten mueß, also wann die spitaller fünff, der spitlmayr
die sechste haben solle. Und an Allerheiligen tag jedem ain heiling strizl von drey
khreüzer, der köchin aber ain per sechs khreüzer, jedem spitaller wie auch der spitlköchin
solle das gannze jahr hindurch wochentlich zway laibl brodt, jedes zu drey pfunden,
gegeben, sonsten aber, wann sy gleich etwas zuarbeiten heten, in brodt weiter nichts
geraicht werden, wie vorhero bey dem pier verstanden ist, zumallen sy ir außkhomben
in brodt mit den zway [/] laiblen und vorhero ain unnötigs extra ordinari empfangen
haben. Wann man ihnen puter außlöst, soll man nit mehr schmalzkhoch machen, alß
zu außlassung des puters vonnöthen ist, unnd solle das außgelassen schmalz ordenlich
in empfanng genomben und verraith werden, darzue sye die semel zum schmalzkhoch
von des herrn Hannß Edlingers wochentlichen zinnß sembln der zwelff khreüzer wie
auch die andere wochen das jahr hindurch ermelte zwelff khreüzer brodt oder semel
zunemben macht haben. Sonsten aber von den andern peckhen, so ihnen das brodt pächt,
kheine wochentliche sembeln zunemben macht, sondern ganz abgeschnitten sein sollen.
Zumallen das spital einkhomben solliche extra ordinari außgab nit ertragen thuet.
[4.3] Er und khonfftige spitlverwalter sollen [/] am spitallhoff für die spitaller
kheine hienner halten, auch andern zuhalten nit gestatten, sondern da über die dienst
ayr alß zu außlassung des puters man ayr bedürfftig, dieselbe umb das gelt zukhauffen
sein, die jezige verhandene hienner soll er denen spitallern auf bald khombente Osttern
und hernach kochen, wie auch die andern diensthiener anderer zeit für die spitaller
verspeisen lassen, zumallen dennen spitallern die wenigist, sondern andern die maisten
ay zu nuz und also jedes für sie umb ain groschen khomben ist, deme er und khonfftige
spitlverwalter also nachkhomben sollen. Weillen auch alhie zu Freystatt das rinderen,
kälper und schäffene fleisch fast in ainem gelt ist und die spitaler wegen ires alters zu
zeiten lieber ain [/] kälberes oder schäffens essen wolten, khann er inen solliches anstatt
des rindtfleisch vom fleischhackher nemben lassen, wie er und sy, spitlverwalter, (ausser
zwayer pachen schwein) für die spitaller, da sy deren wegen manglung des speckhs anderst
jedes jars bedürfften, sowollen ainer mösst und aines prüe schweindls für den spitlmayr
und sein gesindt, doch auch das nit übrige messtung verschwendt, sonsten sy außgestelt
wurde, bey dem spitall nichts schlächtigen, sonder da sy von allerley viech etwas hetten,
dasselbe verkhauffen. Herentgegen daß fleisch auß der fleischpennckh nemben, wie er
innen, spitallern, darnach ir ander zall vorverstandtner massen sein, zu irer undterhaltung
mehrer nit alß acht oder neün khüe halten solle.
[4.4] Sovil die fassttäg anlangt, werden der [/] köchin khupferene massen, die sy jedem
spitaller sambt dem fleisch und suppen, wie auch zween khnödl und suppen, also mit
der suppen wie auch mit khoch (zuverhüetung greinen und zanckhens) voll geben soll,
angehendigt werden.
Als das grösser soll halten drithalb seitl, das zu kraut, rueben und arbes anderhalb seitl,
hierüber er, spitlverwalter, sich bei herrn burgermaister umb dieselbe massen anmelden,
welicher alß dann zu abfärhtung, was jede mallzeit nit allein zu fleisch, sonnder auch zu
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin