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868 VIII.1 Niederösterreich: Horn – Bürgerspital (Edition Nr. 120–123)
messe beiwohnen. Es soll den armen leuten nicht zugelassen werden, daß sie außer des
spitlmeisters erlaubniß aus den spital gehen und in häusern in der stadt hin und her
laufen. Weil viele leute im spital sind, ist zu nacht fleißig auf das feuer achtung zu geben,
damit nicht schaden geschehe. Ein spitlmeister hat dahin zu sehen, weil das spital mit den
pferden viel zu thun hat, die arbeit, so sich im winter thun läßt, nicht in den sommer zu
sparren, da viel arbeit ist. Die wiesen in der Tafen sind zeitlich zu mähen und nicht zu
lang zu warten, damit sie nicht durchs wasser schaden leiden.
[2.] Es soll bei dem spital ein neues buch aufgerichtet werden, darein sollen alle äcker,
weingärten, wiesen, holz, und was das spital aller orten hat, ordentlich darein getragen
werden, damit dem spital nichts entzogen werde.
[3.] Es soll der spitlmeister bei allen grundbüchern richtigkeit pflegen, besonders des
zehends halber, voraus zu Straning, so lang der dienst ausstehet, so jährlich dem herrn
grafen Trautsamb dienen 4 ß.
[4.] Der spitlmeister hat die weine, so sich halten lassen, im weinlösen absonderlich
zu giessen, die andern, so sich nicht behalten, auch besonders, er soll die woche 2 mal
füllen lassen und mit guten wein, damit er nicht verderbe. Es ist auch über des spitals
zehend ein ordentliches zehendbuch aufzurichten und aufzubehalten, damit nachricht
verhanden ist. Das spital ist an etlichen orten baufällig, ist achtung zu geben, daß nicht
durch dergleichen dem spital schaden geschehe. Weil das spital merklich gelitten und
in ihrer wohlfart gesperrt worden, daß das spital keinen keller gehab, worinn ihnen der
wein nur über jahr und tag wäre gehalten worden, und nun ermeltem spital ihro excellenz
einen grund an ihrer hofbraiten geschenkt, darin ein keller auf ein paar 1.000 eimer kann
gebauet werden, gestaltsam auch selbigen nächstens wirklich gebauet ist, also wird sich
der spitlmeister dem armenspital zum besten desselben zu gebrauchen wissen, die guten
weine darin vertigen und, bis sie mit nutzen zu verkaufen, conserviren. Spitlmeister soll
mit vorwissen der spitalväter, und sonst nicht, die wein ausschenken oder unter den
reiffen verkauffen.
[5.] Weil die spitalkapelle mit dem Gottesdienst vermittelst meiner fundation durch
die patres scholarum piarum versehen, so sollen sie, patres, nicht allein die versorgung
der kirche haben, sondern ihnen auch von viertljahr zu viertljahr eingetheilt, unfehlbar
gereicht werden: waitz 2 muth, erbsen 1 metzen, gerste 3 metzen, linsen 5 m(e)tz(en),
schmalz 12 achtl, wein 80 eimer, kälber 5 stück, gemästete schwei[85]ne 2 stück,
spanferkl 8 stück, holz 30 kl(a)ft(er).
[6.] Spitlmeister soll darob seyn, daß sonderlich die weingärten wohl gebaut und
bei bau erhalten werden. Er soll jährlich seine raittung thuen, solche den spitalvätern
überreichen, selbiges anfangs von ihnen durchsehen und aufgenommen und dem
herrschaftpfleger zu weitern ratifikation zugestellt werden.
[7.] Vona demb magistrat sollen 2 spitalväter oder mehr, einer aus dem rath, der andere
aus der gemeinde, erwählt und solche der herrschaft vorgeschlagen werden. Ihr amt soll
dieses seyn, daß sie der inspection itztgedachten spitlmeister haben, die wochenzettl von
ihm empfangen, das spital oft beide oder einer allein, wie es die gelegenheit gibt, visitiren
und fleißig untersuchen, ob in dem spital wohl oder übl gehaust und dasjenige, so des
spitlmeisters instruktionb mit sich bringt, vollzogen, ob wein, äcker, traid, weingarten,
mühl wohl gebaut und bei bau erhalten werden und sonderlich dahin sehen, daß dem
a Am linken Rand: NB.
b–b In der Abschrift unterstrichen.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin