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VIII.7 Niederösterreich: Wiener Neustadt – Bürgerspital (Edition Nr. 136–142) 915
maisch gefüert, auß welch weingarten, wievil jede laidt gehalten und wer es gefüert,
vleissig aufgemerckht werden, damit man in auß zahlung der fuehren unnd des außgangs
unnd zehents nit irre unnd er, spitlmaister, sein raittung desto richtiger thuen müge.
[34.] Es sollen auch die spitlmaister und derselben weiber des viechs und des nuzes
darauß mit ganzem vleiß und wol pflegen, der mayrin unnd andern dienstleutten
[/] embsig wegen der fürderung und, daß sie nit untreu brauchen, das schmalz vleisig
einsamblen; milch, milchraumb unnd putter, sonderlich zu ihrem aigenen nuz nit
verkhauffen, sondern solchen verkhauff in raittung ordentlich einbringen.
[35.] Ebenermassen wan man über die notturfft auß zwifel, samen unnd anderen,
so es in der wiertschafft gibt, verkhauffen und zu gelt machen khan, sol man solches nit
underlassen unnd vleissig in raittung einbringen.
[36.] Item damit desto bessere ordnung unnd guete wiertschafft in dem spital erhalten
werde, sol er, spitlmaister, wie oben vermeldt, sein persohnliche unnd stätte wohnung
und cost sambt seiner ehewiertin unnd ainen dienstbotten in dem spital haben unnd zu
besoldung wirt ime jarlich verwilligt vierzig gulden sambt täglich ainer achtering wein
und dem under spitlmaister zwanzig gulden.
[37.] Unnd weillen in den instructionen nit alles aufs nägele khan verzaichnet und
füergeschriben werden, demnach soll spitlmaister selbst, was hierinen nit begriffen unnd
es doch die notturfft zuverrichtena erfordert wirt, er dißfals nichts underlassen, wan
auch bei den spitällern vor andern der himel oder hell ewige belohnung oder verderben
verdient, alß wirt er, spitlmaister, hoffentlich sein gewissen nit beschwären unnd umb
schlechtes zeitliches gewins willen, der ohne das nit gedeyet, die belohnung bei seits
schlagen unnd entgegen [/] ewige straf auf sich laden, sondern dem armen spital also
hausen, damit sie es vor Gott unnd der welt verantwortten khönen, wie dan aines
ersamen raths vertrauen in ir persohn gestelt ist. Actum den zehenten Marti anno 1609ten.
Nr. 140
Instruktion für den Bürgerspital-Spitalmeister in Wiener Neustadt.
Wiener Neustadt, 1658 August 1
Archiv: StA Wiener Neustadt, Scrinium CXIV, Nr. 1/3, unfoliiert
Archivvermerk: Scrin. CXIV no 1/3.
Instruction unnd ordnung eines spitlmaisters allhier zur Neustatt aufgerichtet den 1.
Aug(ust) 1658
[1.] Erstlichen solle spitlmaister alles ambts darob seyn, daß sowoll die armen als
auch die dienstleuth die h(eilige) Gottes diennst nit versaumben, sonderlich aber an
der h(eiligen) Sonn- unnd feuertägen vleissig zur predig unnd ambt der h(eiligen) mesß
gehen, ihr gebett verrichten unnd zu gebührlicher zeit im jahr öffters beichten unnd daß
hochwirdigiste sacrament des altars andächtiglich empfangen, auch sonnsten täglich
abents unnd morgens vor unnd nach dem tisch vleissig unnd ainholliglich miteinander
betten, unnd alles fluechen, schwezen, gottslöstern, unzucht, trunckhenheit unnd spillen
a Am linken Rand nachgetragen.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin