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VIII.7 Niederösterreich: Wiener Neustadt – Bürgerspital (Edition Nr. 136–142) 917
der armen leüth stuben oder zimmer täglich ain oder zweymahl außgekhert unnd öffters
von khronaweth, so jeder zeit in vorrath verhanden sein sollen, gereuchert [/] werden, er
solle auch die gaill, des gestankhs, bößer dämpf unnd anderer ungelegenheiten halber,
nit überhäuffen, sonder dieselbe zeitlich auß dem spitall für die statt führen lassen, die
haimblichkeiten sollen sauber gehalten unnd in den stuben unnd zimmern, es erfordere
es dann die höchste noth, kheine leübstüel unnd harmbgschier verstattet, die rauchfang
unnd feuerstätt auch zu verhüetung feuers gefahr vleissig gekhört unnd in summa diesfals
alle nothwendige fürsechung unnd saubrigkheit verhalten werden.
[7.] Zum sibenten solle ohne eines ers(amen) raths vorwissen oder ratschlag niemand
ins spital eingenomben, auch niemand ohne vorwissen des herrn burgermaisters oder
des herrn superintendenten im spitall beherbergt werden, ingleichen solle auch daß
mayrgesindt bey straff niemands frembden aufhalten, beherbergen oder underschlaipf
geben. [/]
[8.] Zum achten solle daß spittall nächtlicher weill zeitlich, als nemblichen zu
winterszeiten umb 7 uhr, unnd zu sommers zeiten umb 8 uhr, zu arbeytzeit aber, wegen
des mayrgesinds aufs lengeste umb 9 uhr gespört unnd am morgen zu rechter, früer
tagszeit widerumben eröffnet werden, in der nacht aber solle es, ausser es wurds die noth
erfordern, nit eröffnet oder ainiger mensch, so vor der spör nit anhaimb khommen,
eingelasßen werden.
[9.] Zum neunten solle spitlmaister so woll auf alle spitals dienstbotten als auch auf
die arme leüth sein vleissiges aufsehen haben, damit sie in gueter zucht, gehorsamb, auch
fried unnd ainigkheit leben, in jedes seinem dienst, arbeyt unnd verrichtung vleissig unnd
treülich abwartten und nit gestatten, daß sye ohne sein vorwissen, sonderlich bey der
nacht, ausser dem spitalle außbleiben; die jenige, so hierwider betretten werden, solle
herr spitlmeister der gebühr nach straffen, [/] sonderlich aber solle er auf den mayrn woll
achtung geben, damit er sich mit dem wein nit überlade, sonder des volltrinckhens sich
gänzlichen enthalte, er solle auch sich alle abent mit ihme, mayrn, underreden unnd
anordnen, was den volgenden morgen für arbaith zuverrichten seyn wirdet.
[10.] Zum zehenden solle er, spitlmaister, sein vleissiges aufsehen allenthalten in
spitall haben unnd täglich zum öffteren hin und wider nachsehen und visitiren, das
mit dem viech unnd fuetterey embsige guete württschafft gehalten unnd der von dem
viech unnd viech zucht fallender nuzen alles vleisses beobachtet, die milch, milchrämb,
butter unnd schmalz vleissig eingesamblet unnd davon wie auch an wein, mell, brott,
schweinfleisch unnd anderen victualien dem spittall nichts entzogen oder verunthreuet,
wan auch über das spitals noturfft etwas davon zu verkhauffen seyn wirdet, solcher
verkhauff ordenlich in raithung eingebracht werde, ebnermassen solle spitlmaister, was
über die notturfft an rueben, khraut, zwifel und dergleichen [/] khräutlwerckh unnd
anderen garttenbau übrig ist, zu rechter gueter zeit verkhauffen unnd alle ertragnus
treulich verraithen.
[11.] Zum ailfften solle er, spitlmaister, sein vleissige obsicht haben, daß an des spittals
gründten, zehenten, diensten, zinnsen unnd anderen gerechtigkheiten nichts entzogen
werde, noch ainiger eintrag, gwalt oder eingrüff beschechen thue unnd da er dergleichen
erfahren wurde, solches einem ers(amen) rath allsobalden anzaigen.
[12.] Zum zwelfften sonderlich aber solle spitlmaister auf des spitals wälder vleissige
achtung geben, damit dieselben nicht abgeödet unnd sonsten vor schaden erhalten
werden, auch das bau unnd brenholz zu rechter zeit schlagen und zu hauss bringen lassen.
[13.] Zum dreyzehenten solle spitlmaister auch dahin gedacht seyn, das jahrlichen
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
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- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin