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944 IX.1 Wien: Wiener Bürgerspital (Edition Nr. 144–190)
grueben lasßen, da er aber ein oder anders jahr, solches nit thuen khönte, die ursach
desßen einen stattrath anzaigen.
[24.] Item nach dem sich auch zu mehrmallen begibt und zuetregt, daß denen
persohnen, so weinn, pier oder andere victualien genomben und allß verfallene
contrabant ins spitall gefüehrt, nachmahlen aber auß herrn burgermaisters und eines
ersamen raths bevelch auf derselben supplicierna und anhalten widerumben hinauß
gegeben werden, derohalben, so offt diß hinfüero beschicht, solle der spitlmeister
dieselben berathschlagte supplicationes oder herrn burgermeisters schrifftliche bevelch
sambt einer bekantnus, daß sy solches empfangen, mit und neben seiner raittung erlegen
und fürbringen.
[25.] Der spitlmaister solle auch hinfieran oder khünfftig kein holz ausßer vorwisßen
der superintendenten, wie bißher beschehen, auß deß spitals auen oder wälttern nit
verkhauffen, sondern jederzeit dahin gedacht sein, damit die wäldter und auen gehut und
nit verödt, auch der forster oder aukhnecht contrabant verhüettet werde.
[26.] Item es solle auch khinfftiger zeit weder rosß, hey, strey, traidt, pandt, stroh,
steckhen, laden, paställ oder anders ohne sonder große ursachen vom armen hauß ohne
vorwisßen der herrn superintendenten nit verkhaufft oder wegkh geben werden.
[27.] Item der spitlmaister solle auch alle und jede victualien, es sey wein, pier,
traidt, schmalz, arbes, gersten, preinn, schweinen oder ander fleisch, obs, kerzen, hiener,
capaunen, ayer und in summa alles anders, wie daß genent möge, [/] und auß deß herrn
burgermeisters oder eines ersamen raths bevelch durch die marckhtrichter allß contrabant
und verfallenes guett genomben oder ihme durch andere persohnen, denen armen zu
gueten, ins spital gegeben und gebracht würdt, vleisßig in ein particular beschreiben und
solches neben jeder seiner jahrs raittung erlegen und fürbringen.
[28.] Item der spitlmaister und sein haußfrau sollen auch darauf gedacht sein, und
ihr vleisiges aufmerkhen haben, da mit an allerley victualien alß traidt, wein, pier, vieh,
schmalz, khäß, gewürz, ayer, gersten, prein, arbes, krautt, rueben und in summa alles,
so zur noturfft deß armen hauß vonnöthen und alhie zuerzellen nit miglich, ein gueter
vorrath verhanden sey, auch daß solches zu rechter weil und zeit umb ein zimblichen
werth erkhaufft und daß spitall an solchen nit entblöst oder zu unglegner pickhlemer
zeit umb dopelt gelt müst erkhaufft werden. Es solle der spitlmaister auch neben und
bey der raittung, wie theuer daß viech erkhaufft worden, schein vom herrn handtgraffen
fürbringen, deßgleichen solle es auch mit erkhauffung der andern victualien und in
summa in allem dem, waß in die schaffer zetl nit bracht werden mag und desßen
bezahlung in der außgab in einer posst uber 1½ fl. sich erstreckht, gehalten und jederzeit
schein oder quittung bey der raittung fürgebracht werden.
[29.] Unnd nachdem bißhero denen armen, so offt man die samblpüchsen außzehlt,
etlich pfundt pfening von handt zu handt außgedailt werden, welches aber anjezo (weillen
dieselben persohnen ohne daß mit speiß und trankh alda underhalten werden) ein zu
stellen ein notturfft ist, derhalben solle der spitlmaister hinführo an in beysein der herren
superintendenten die samblpüchsen jederzeit außzehlen. [/]
[30.] Item die weillen auch durch die abgestorbene persohnen waß von parem geldt,
klainodt, gwandt und anders verlaßsen wird, so solle demnach der spitlmaister inb beisein
a Folgt und ersamen, getilgt.
b–b Am linken Rand nachgetragen.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin