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996 IX.1 Wien: Wiener Bürgerspital (Edition Nr. 144–190)
Nr. 165
Instruktion für den Bürgerspital-Fleischhauer (Zuschroter) in Wien.
Wien, 1703 Mai 9
Archiv: WStLA, Bürgerspitalakten, Fasz. LVI (A 74)
Rückvermerk: Instruktion eines zueschraders in dem burgerspital allhier.
Instrucktion aines zueschraders in dem burgerspital alhier, wessen er sich in seinen dienst
verrichtungen zuverhalten hatt
[1.] 1. Solle er mit allen gehorsamb unndt respect denen herrn superintendenten
unndt spitlmaister unterworffen seyn unndt, waß von selbigen ihme in billigen sachen
anbefohlen wirdt, solches solle er unerwaigerlich verrichten.
[2.] 2. Wann schlachtviech zu erkauffen, solle er solches dem herrn spitlmaister
zeitlich anzaigen, damit er hierüber verordtnung thuen kann, auch sonderlich bey
erkauffung deß grossen viechs der oxen, kälber, lämber unndt schooff selbst seyn möge
undt den kauff schliessen.
[3.] 3. Wan nun einiges viech von oxen unndt schooffen erkaufft wirdt, solle solches
alsobalden der zueschradter in sein aufsicht unndt verwahrung nehmen, mit deß spitals
march zaignen unndt sommers zeitten auf deß spitals gewöhnlichen waiden, winterszeitt
aber an andern gehörigen orthen im spital unterhalten lassen, darbey er sonderbahr
fleissig nachsehen solle, daß daß viech an der nothwendigen fürderung kein mangel leyde,
[/] auch keines von der waidt entlauffe oder verlohren gehe, welches er solchenfahls dem
armen hauß guetmachen müesste.
[4.] 4. Waß sodann zu deß armen haußes notturfft erfordert wirdt, solle er mit hilff
unndt zuthuen der ihme adjungirten zueschradtknecht unndt vorwissen deß herrn
spitlmaisters an keinen andern orth alß auf der in deß spitals stadl auf der Lanndtstrasß
gerichten schlachtbruckhen schlachten, damit, wan er, herr spitlmaister, will, selbst
darbey seyn kann oder jemandt andern nahmens seiner darzue verordtnen möge.
[5.] 5. Nachdem nun daß fleisch erstarret, soll daßselbe sambt dem gschöll undt
füessen gepuzter in die zueschradt gebracht unndt daselbst wenigist in beysein deß
schaffers sambt dem inßleth abgewogen unndt von dem zueschradter in seinen empfang
genohmen, von dem schaffer aber zugleich entgegen beschrieben unndt von selbigen
volgendts zu endt deß jahrs dem zueschradter ein verlasßliche specification, sich deren bey
seiner raittung zugebrauchen, zuegestellet werden.
[6.] 6. Waß volgendts an fleisch vonnöthen, solle zu [/] bestimbter zeitt, nemblich den
tag zuvor, alß mann es braucht, umb 12 uhr durch den zueschradter unndt seine knecht
in beyseyn der spitlmaisterin in der zueschrodt ausgehackht unndt zuegeschrotten werden
unndt mögen sie zwar der armen portiones nach dem gesicht machen, sollen aber dahin
wohl fleiß brauchen, daß sie der starckhen unndt dienstbotten stückhel in puren fleisch
ohne die darbey befindliche bainer auf ½ lb. unndt der schwachen stückhel auf ⅓ lb.
antragen.
[7.] 7. Sovill nun vor die armen unndt deren dienstbotten gehörig, hatt der siechvatter
daß vertrauen, daß er deren portiones dem zueschratter auf der in der zueschratt hierzue
verhandtenen schwarzen taffel anschreibe, auf welche er volgendts die stückhel auszehlt
unndt dem koch zuestellet, die stüeckhel aber werden nochmahls zusamben gewogen
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin