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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission 237
Trotz dieser Struktur blieb im Bereich der sowjetischen Propaganda für Ös-
terreich eine Doppel- bzw. Mehrgleisigkeit bestehen, die zu Parallelismen
und Konkurrenz führte. Dies hing auch damit zusammen, dass in Moskau
gleich mehrere Stellen (TASS, VOKS, das Sovinformbüro und die 7. Verwal-
tung der GlavPURKKA) entsprechende Materialien vorbereiteten und ver-
schickten. Die Koordination zwischen diesen Institutionen war nicht die bes-
te.337
Das übergeordnete Ziel der sowjetischen Propaganda in Österreich be-
stand in der Stärkung des sowjetischen Einflusses in Österreich und der
„freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem österreichischen Volk und
den Völkern der Sowjetunion“. Dabei ging man von den „unbestreitbaren
Vorzügen“ des sozialistischen Systems, der staatlich-gesellschaftlichen Ord-
nung in der Sowjetunion und der sozialistischen Realität aus.338 Konkrete
Beispiele „der Erfolge des Sozialismus“ und der „Überlegenheit des sozia-
listischen Gesellschafts- und Staatsaufbaus gegenüber dem kapitalistischen“
sollten die „Wahrheit über die Sowjetunion“ propagieren.339 Die gewünschte
Eindämmung des Einflusses der Westmächte in Österreich war eng damit
verknüpft.340 Mithilfe der Propaganda sollte außerdem die „endgültige Loslö-
sung Österreichs von Deutschland“ erreicht werden, die mit einer „Ausmer-
zung“ der Reste der NS-Ideologie im gesellschaftlich-politischen, kulturellen
und ideologischen Leben sowie einer Umerziehung im „demokratischen“
Sinn einherging.341
Inhaltlich stand die „Popularisierung der Erfolge der Sowjetunion bei der
Wiedererrichtung und Entwicklung der Volkswirtschaft“ ebenso im Vor-
dergrund wie die „Darstellung der Bedeutung der UdSSR als führende und
wichtige Kraft im Kampf der progressiven Menschheit um Frieden, Demo-
kratie, Freiheit und Unabhängigkeit der Völker“. Außerdem sollte die Propa-
ganda in Österreich die „wirtschaftlichen Erfolge der volksdemokratischen
Länder“, die Einheit der Arbeiterklasse und die sowjetischen Positionen ge-
337 RGASPI, F. 17, op. 125, d. 384, S. 74–79, hier: S. 78, Bericht von Sidorov und Korotkevič an Suslov
über die Arbeit der Zentraleuropäischen Abteilung des Sovinformbüros, 9.7.1946.
338 RGASPI, F. 17, op. 132, d. 5, S. 188–195, Stellungnahme von Kurasov zur sowjetischen Propaganda
in Österreich, 11.5.1948. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in
Österreich, Dok. Nr. 105.
339 RGASPI, F. 17, op. 132, d. 5, S. 211–221, hier: S. 213, Anordnungen von Kurasov bezüglich der Pro-
pagandaarbeit unter der österreichischen Bevölkerung [15.–22.5.1948].
340 RGASPI, F. 17, op. 128, d. 116, S. 131, Schreiben von Šikin an Ždanov über die Resultate der Über-
prüfung der Propagandaabteilung der SČSK, 25.9.1946.
341 RGASPI, F. 17, op. 128, d. 117, S. 2–117, hier: S. 69, Bericht von Pasečnik an Suslov über die Lage in
Österreich, 6.8.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918