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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und
Funktion240
Schon bald zeigten sich jedoch Schwierigkeiten bei der Realisierung der ge-
nannten Ziele. Kurasov führte den mäßigen Erfolg auf die geringeren perso-
nellen Ressourcen und finanziellen Mittel zurück, über welche die sowjeti-
sche im Vergleich zur „feindlichen“ Propaganda verfügte. Damit sprach er
in erster Linie die Propaganda der „USA, Englands, Frankreichs, der öster-
reichischen Regierung, von SPÖ und ÖVP sowie der katholischen Kirche“
an. Indirekt gestand der Hochkommissar aber auch inhaltliche Mängel ein:
Die Westmächte wären dahin gehend im Vorteil, „dass ihr Gesellschafts- und
Staatsmodell, ihre Ideologie und ihre Sprache der österreichischen Bevölke-
rung bekannt und vertraut sind, während wir [die Sowjetunion] ein vollkom-
men neues Gesellschafts- und Staatsmodell repräsentieren und zur Bevölke-
rung in einer für sie neuen politischen Sprache sprechen“.351
Laufende Überprüfungen und neue Konzepte waren von Anfang an die
Folge. So informierte Vyšinskij im August 1947 ZK-Sekretär Ždanov, es sei
„im Zusammenhang mit der [nach den Novemberwahlen 1945] geänderten
Lage in Österreich und der verstärkten reaktionären, gegen die UdSSR ge-
F. 17, op. 137, d. 108, S. 6–77, hier: S. 71, Bericht von Gurkin über die Arbeit der Propagandaabtei-
lung der SČSK 1949, 13.3.1950.
351 RGASPI, F. 17, op. 132, d. 5, S. 59–114, hier: S. 65, Bericht von Dubrovickij über die Propaganda
unter der österreichischen Bevölkerung und Maßnahmen zu ihrer Ausweitung, 17.5.1948.
Abb. 28: Im Oktober 1945 ging die politische Arbeit unter der österreichischen Bevölkerung von
den Politorganen der Roten Armee offiziell auf die Propagandaabteilung der SČSK über. Auch
Neujahrs
tannen und Geschenke für österreichische Kinder fielen in diesen Bereich. (Quelle: AdBIK,
Bestand Böröcz)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918