Seite - 250 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Bild der Seite - 250 -
Text der Seite - 250 -
III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und
Funktion250
des MID der UdSSR der Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommis-
sion nicht genügend Aufmerksamkeit beigemessen wurde. Das Kriegsminis-
terium befasste sich nicht ausreichend mit der Auswahl der Kader für die
sow jetischen Militärkommandanturen in Österreich. Die Hauptverwaltung
des sowjetischen Eigentums im Ausland nahm die Leitung und Kontrolle
über die Tätigkeit der sowjetischen Betriebe in Österreich schlecht wahr.“390
Das Politbüro erteilte Außenminister Andrej J. Vyšinskij und Kriegsminis-
ter Aleksandr M. Vasilevskij den Auftrag, binnen zweier Monate Vorschläge
für eine neue Struktur der SČSK unter Berücksichtigung der seit 1945 ver-
änderten Arbeitsbedingungen vorzulegen und die sowjetischen Militärkom-
mandanturen durch besser qualifizierte Kader zu verstärken. Bei der Wahl
der neuen Mitarbeiter sei darauf zu achten, dass diese nicht nur „die nötige
Ordnung in den sowjetischen Militärgarnisonen gewährleisten“, sondern
auch die notwendige politische Arbeit unter der Bevölkerung ausüben könn-
ten. Zur „Stärkung der politischen Führung“ der SČSK ließ das Politbüro den
bisherigen Politberater Michail E. Koptelov abberufen und durch Sergej M.
Kudrjavcev ersetzen. Koptelov kehrte „zur weiteren Verfügung“ des MID
nach Moskau zurück, wo er zum Leiter der 3. Europäischen Abteilung avan-
cierte. Hochkommissar Sviridov blieb trotz der Kritik an seiner Arbeit – vor-
erst – unangetastet.391
5.5 „Liquidierung des Parallelismus“: Reform 1952
Am 20. Februar 1952392 verfügte der Ministerrat mittels Beschluss Nr. 986–
317ss die Reorganisation des sowjetischen Besatzungsapparates und bestätig-
te die neue „Verordnung über den Sowjetischen Teil der Alliierten Kommissi-
390 RGASPI, F. 17, op. 162, d. 47, S. 11–13, Politbürobeschluss des ZK der VKP(b) P 84 (215)-op, Über
Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für
Österreich, 1.11.1951. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Ös-
terreich, Dok. Nr. 77. Vgl. dazu und zum Folgenden Knoll – Stelzl-Marx, Der Sowjetische Teil der
Alliierten Kommission, S. 201–203; Mueller, Die sowjetische Besatzung in Österreich, S. 60f.; Rug-
genthaler, Warum Österreich nicht sowjetisiert wurde, S. 694f. Siehe dazu auch das Kapitel A.III.2.2
„Der Politische Berater für Österreich“ in diesem Band.
391 Ebd.
392 Am 16. Jänner 1952 hatten A. Gromyko und A. Vasilevksij dem Büro des Präsidiums des Minis-
terrates einen Entwurf vorgelegt. Vgl. GARF, F. 5446, op. 86a, d. 708, S. 56–54, Begleitbrief von
Gromyko und Vasilevskij an das Büro des Präsidiums des Ministerrates zur Übersendung der
Beschlussentwürfe, 16.1.1952. Zu den beigelegten Entwürfen vgl. GARF, F. 5446, op. 86a, d. 708,
S. 1–50, 57f. Am 3. Februar 1952 hatten Vyšinskij und Vasilevskij einen entsprechenden Entwurf
Molotov vorgelegt. Vgl. RGASPI, F. 82, op. 2, d. 117, S. 62, Begleitbrief von A. Vyšinskij und A.
Vasilevskij an V. Molotov zur Übersendung der Beschlussentwürfe, 3.2.1952.
zurück zum
Buch Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955"
Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918