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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission 253
Problematisch sah Grigor’jan allerdings unter anderem, dass die SČSK nur
„zögerlich einen Kampf gegen Diversanten und Nachrichtendienste öster-
reichischer und ausländischer Spionageorgane, die in der sowjetischen Zone
und besonders in sowjetischen Betrieben aktiv“ seien, führte. Außerdem sei
die Bestellung eines Bevollmächtigten der Hauptverwaltung sowjetischen
Eigentums im Ausland (GUSIMZ) noch nicht erfolgt. Völlig unzufriedenstel-
lend sei auch die Arbeit der Allunionsgesellschaft für kulturelle Beziehungen
mit dem Ausland (VOKS). Abschließend hielt der Vorsitzende der Außenpo-
litischen Kommission fest, dass die Führung der SČSK zurzeit „Maßnahmen
zur Vermeidung von Fehlern bei der Umsetzung des Beschlusses des ZK der
VKP(b)“ treffe. Alle Abteilungen hätten den Auftrag erhalten, „konkrete Ar-
beitspläne unter Berücksichtigung der sich verändernden politischen Lage in
Österreich auszuarbeiten“.404
In ihrem Tätigkeitsbericht für 1952 zogen Hochkommissar Sviridov und
Politberater Kudrjavcev ein positives Resümee. Sowohl die SČSK als auch die
politische Vertretung hätten ihre Arbeit gemäß dem Beschluss „der Instanz“
vom 1. November 1951 durchgeführt. Dabei hätten sie sich für die wirtschaft-
lichen und politischen Interessen der UdSSR in Österreich „aktiv eingesetzt“,
Maßnahmen zur „Demokratisierung der Zone“ ergriffen und dabei den „de-
mokratischen Parteien und Organisationen bei der Verfestigung ihres Ein-
flusses unter der österreichischen Bevölkerung“ geholfen.405
Ähnlich lautete auch ihr Bericht „Über die Umsetzung des Beschlusses des
Ministerrates vom 1. November 1951 über die Verbesserung der Arbeit des
Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission in Österreich“.406 In der Zwi-
schenzeit seien nach einer Überprüfung durch eine Sonderkommission des
Kriegsministeriums 18 von 37 sowjetischen Kommandanten in den Bundes-
ländern und in Wien ersetzt worden. Der Generalstab habe per 15. Dezember
1952 die neue personelle Zusammensetzung der Kommandanturen bestätigt.
Umsetzung des Beschlusses des Politbüros des ZK der VKP(b) vom 1. November 1951 „Über Maß-
nahmen zur Verbesserung der Arbeit der SČSK“, 28.3.1952. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx
– Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 79. Vgl. Knoll – Stelzl-Marx, Der Sowjetische
Teil der Alliierten Kommission, S. 207f.; Ruggenthaler, Warum Österreich nicht sowjetisiert wurde,
S. 695.
404 Ebd.
405 RGASPI, F. 17, op. 137, d. 918, S. 74–201, hier: S. 77, Bericht von V. Sviridov und S. Kudrjavcev an
A. Smirnov „Über die Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission und den politischen
Vertreter der UdSSR in Österreich für 1952“, 28.2.1953.
406 Der Titel dieses Berichtes vermischte den Politbürobeschluss des ZK der VKP(b) „Über Maßnah-
men zur Verbesserung der Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Österreich“
vom 1. November 1951 und dessen Realisierung in der per Ministerratsbeschluss der UdSSR erlas-
senen „Verordnung über den Sowjetischen Teil der Alliierten Kommission in Österreich“ vom 20.
Februar 1952.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918