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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission 261
überwacht“ werden. Presse, Kinofilme, Radiosendungen und Theaterauffüh-
rungen waren der Militärzensur zu unterstellen.433
Wie die Instruktion zeigt, überschnitten sich die Aufgaben der SČSK mit
jenen der Militärkommandanturen in mindestens drei Kernbereichen: in Be-
zug auf die Wirtschaft, auf die Repatriierung sowjetischer Zwangsarbeiter
und hinsichtlich der lokalen Behörden. Dabei oblagen den Militärkomman-
danturen tendenziell eher praktische Aufgaben (etwa der Transport von DPs
in Sammelpunkte), während die SČSK vorwiegend mit der Kontrolle dieser
Bereiche (etwa Festsetzung der Fristen für die Repatriierung und Registrie-
rung sowjetischer DPs) betraut war. Darüber hinaus konkurrierten die „be-
sonderen Pflichten eines Militärkommandanten“434 gerade im politischen Be-
reich mit den Aufgaben der SČSK: So hatten die Kommandanten gemäß den
Weisungen der Politverwaltung der CGV „ständig politische Arbeit unter
der örtlichen Bevölkerung“ zu betreiben. Die SČSK verfügte jedoch parallel
dazu über die Politische Abteilung unter der Gesamtleitung des Politischen
Beraters und ab 13. Oktober 1945 über eine eigene Propagandaabteilung, der
gleichfalls die Propaganda unter der österreichischen Bevölkerung oblag.435
Kompetenzstreitigkeiten zwischen den militärischen und diplomatischen
Strukturen waren somit vorprogrammiert.
Als das Politbüro des ZK der VKP(b) im Herbst 1951 die SČSK einer ein-
gehenden Prüfung unterzog, kamen, wie bereits erwähnt, zahlreiche gra-
vierende Mängel – vor allem im Bereich der politischen Arbeit in Österreich
– zum Vorschein. Konkrete Verbesserungsvorschläge zur „Stärkung des sow-
jetischen Einflusses“ wurden ausgearbeitet, das Politbüro fasste am 1. No-
vember 1951 den Beschluss „Über Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit
der Alliierten Kommission für Österreich“.436 Dies führte schließlich zu einer
neuen „Verordnung über den Sowjetischen Teil der Alliierten Kommission in
Österreich“, die per Ministerratsbeschluss am 20. Februar 1952 in Kraft trat.437
433 AP RF, F. 3, op. 64, d. 10, S. 18–20, Instruktion über die Tätigkeit der Alliierten Kommission für
Österreich, 4.7.1945.
434 CAMO, F. 275, op. 45235os, d. 2, S. 184–189, Weisung der CGV an die Militärkommandanten auf
dem von sowjetischen Truppen besetzten Gebiet Österreichs und Ungarns, 15.9.1945. Abgedruckt
in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 69.
435 AVP RF, F. 06, op. 7, p. 26, d. 321, S. 41f., Beschluss Nr. 2616-710s des Rates der Volkskommissare
der UdSSR, Über die Bildung einer Propagandaabteilung in der SČSK für Österreich, [13.10.1945].
Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 70. Da-
tum der Bestätigung und Nummer der Verordnung ersichtlich aus: AP RF, F. 3, op. 64, d. 10, S. 22f.;
RGASPI, F. 17, op. 118, d. 455, S. 236f., Schreiben von Burcev an Il’ičev über die Notwendigkeit der
Unterstellung der „Österreichischen Zeitung“ der SČSK, 16.6.1949.
436 Siehe dazu auch das Kapitel A.III.5.4 „‚Eine Reihe ernsthafter Mängel‘: Überprüfung 1951“ in die-
sem Band.
437 Siehe dazu auch das Kapitel A.III.5.6 „‚Liquidierung des Parallelismus‘: Reform 1952“ in diesem
Band.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918