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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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6. Das Wirtschaftsimperium In wirtschaftlicher Hinsicht verfolgten die Sowjets auch in Österreich das Ziel, eine Wiedergutmachung für ihre gewaltigen, während des Krieges erlit- tenen Verluste an Industriepotenzial und Material sowie „Kompensationen“ zu erhalten.443 So wurde während der Besatzungszeit der materielle Reich- tum der Ostzone außer Landes gebracht: durch „privates“ Plündern, durch den Abtransport industrieller und gewerblicher Anlagen mithilfe eigener Demontagekolonnen oder durch die Beschlagnahmung ganzer Betriebe als „Deutsches Eigentum“. Dabei standen nationale Reparationsinteressen und die Wiedererrichtung der sowjetischen Wirtschaft im Vordergrund, nicht je- doch eine gezielte Destabilisierung des befreiten Landes.444 Außerdem hatte der Kreml bereits eine mögliche bewaffnete Auseinandersetzung mit dem Westen im Kalkül und wollte daher umso mehr wirtschaftlich wieder kon- kurrenzfähig gegenüber dem potenziellen westlichen Feind im Kalten Krieg werden. Allerdings wog diese Exploitationspolitik besonders schwer, entzo- gen doch gerade die Demontagen der österreichischen Wirtschaft ihre Exis- tenzgrundlage. West- und Ostzone drifteten wirtschaftlich und gesellschaft- lich auseinander.445 Bei der sowjetischen Wirtschaftspolitik in Österreich kann man drei sich teilweise überschneidende Phasen unterscheiden:446 Die erste setzte mit Ap- ril 1945 ein und dauerte bis zum Frühsommer 1946. In dieser Militärphase dominierte die „Kriegsbeute und Trophäenaktion“, gekennzeichnet durch Plünderungen, Demontagen und die Notwendigkeit der Versorgung der Be- satzungstruppen, aber auch durch die Gewährung sowjetischer Lebensmit- telhilfen. Die verbreitete Praxis, die Demontagen zwar rasch durchzuführen, 443 Zu den Reparationen und der wirtschaftlichen Umgestaltung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands vgl. Naimark, Die Russen in Deutschland, S. 181–258. 444 Rathkolb, Sonderfall Österreich?, S. 361–364. 445 Roman Sandgruber, Das wirtschaftliche Umfeld des Staatsvertrages, in: Manfried Rauchensteiner – Robert Kriechbaumer (Hg.), Die Gunst des Augenblicks. Neuere Forschungen zu Staatsvertrag und Neutralität. Wien – Köln – Weimar 2005, S. 359–378, hier: S. 364f.; Stelzl-Marx, Die „Wiederver- einigung“ Österreichs, S. 215; Wilfried Aichinger, Die Sowjetunion und Österreich 1945–1949, in: Günter Bischof – Josef Leidenfrost (Hg.), Die bevormundete Nation. Österreich und die Alliierten 1945–1949. Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte. Bd. 4. Innsbruck 1988, S. 275–292, hier: S. 277–279. 446 Dieter Stiefel geht hingegen von nur zwei Phasen aus, ohne die Etappe der im Staatsvertrag 1955 festgelegten Ablöse eigens zu berücksichtigen. Da Österreich jedoch bis 1964 „Reparationen“ an die Sowjetunion zahlte, erscheint eine dreigliedrige Unterteilung als sinnvoll. Vgl. Dieter Stiefel, Coca- Cola kam nicht über die Enns: Die ökonomische Benachteiligung der sowjetischen Besatzungszone, in: Günter Bischof – Dieter Stiefel (Hg.), „80 Dollar“. 50 Jahre ERP-Fonds und Marshall-Plan in Österreich 1948–1998. Wien – Frankfurt am Main 1999, S. 111–132, hier: S. 116.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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