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6. Das Wirtschaftsimperium 295
selärms über die Notwendigkeit eines Boykotts der USIA“ darstellen könn-
te.565
Trotz der befohlenen Maßnahmen besserte sich die Lage im gesamten
sow jetischen Wirtschaftskomplex bis ins Frühjahr 1953 nur unwesentlich.
Lapidar leitete die Wirtschaftsabteilung der SČSK ihren entsprechenden
Bericht ein: „Die Arbeit der sowjetischen Wirtschaftsorganisationen in Ös-
terreich – die Verwaltung für Sowjetisches Vermögen (USIA), die Sowjeti-
sche Erdölverwaltung (SMV), die Österreichisch-Russische Ölproduktion
(OROP), die Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG), die Transportfir-
ma ‚Južvneštrans‘ und das Filmstudio ‚Wienfilm‘ fand unter denselben Be-
dingungen statt wie auch im Vorjahr – Auftragsmängel, Absatzschwierigkei-
ten der fertigen Produkte, ernste Finanzprobleme.“566 Im ersten Quartal 1953
hätten weder die SMV noch die OROP oder die USIA ihre Produktionspläne
erfüllt, wobei Letztere besonders unzufriedenstellend agiert habe. In seinem
Bereich habe das Filmstudio „Wien-Film“ noch am erfolgreichsten gearbeitet
– etwa durch die Fertigstellung des Films „Schubert“. Doch auch hier droh-
te ein Personalabbau, da kein einziges Drehbuch fertiggestellt war, obwohl
Moskau „alle Libretti bestätigt“ habe. Lediglich die DDSG mit ihren Unterab-
teilungen habe ihre Ziele in diesem Zeitraum erreicht.567
Nach Stalins Tod richtete sich Wien mit der Bitte an Moskau, den Kauf
der sowjetischen Unternehmen noch vor Abschluss des Staatsvertrages zu
verhandeln und die Bezahlung nicht in frei konvertierbaren Valuten, son-
dern durch Warenlieferungen erbringen zu dürfen. Der Entwurf des Staats-
vertrages sah für die österreichische Seite den Kauf der USIA-Betriebe mit
einem Betrag in der Höhe von 150 Millionen US-Dollar vor. Als Folge der
neuen politischen Tendenzen in der ersten Hälfte 1953 begegnete Moskau
diesem Wunsch zunächst mit Verständnis. Allerdings revidierte das Prä-
sidium des Ministerrates der UdSSR den Plan für die Aufnahme von Ver-
handlungen mit der österreichischen Regierung drei Wochen später in sei-
ner Sitzung am 22. Mai 1953.568 Ein Verkauf der sowjetischen Unternehmen
565 RGASPI, F. 17, op. 164, d. 212, S. 211, Schreiben an G. Malenkov über die österreichische Kampagne
gegen USIA-Geschäfte [20.2.1953].
566 RGANI, F. 5, op. 28, d. 70, S. 58–88, Bericht von V. Smirnov über die Tätigkeit der sowjetischen Wirt-
schaftsorganisationen im 1. Quartal 1953, die Kontrolle der Wirtschaftsabteilung der SČSK über
ihre Arbeit und die diesen Organisationen erwiesene Hilfe im 1. Quartal 1953, 25.4.1953. Der Bericht
wurde vom Chef des Stabes der SČSK an das ZK der KPdSU weitergeleitet. Vgl. RGANI, F. 5, op.
28, d. 70, S. 57, Begleitbrief von S. Maslov an A. Smirnov zur Übersendung des Tätigkeitsberichts
der sowjetischen Wirtschaftsorgane im 1. Quartal 1953, 6.5.1953.
567 Ebd.
568 RGANI, F. 3, op. 8, d. 110, S. 98–101, A. Mikojan an das ZK der KPdSU über die Möglichkeit eines
Verkaufes der USIA-Betriebe in Österreich, 17.5.1954. Zu den diesbezüglichen Staatsvertragsver-
handlungen vgl. auch: Brunner, Das Deutsche Eigentum, S. 76–131.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918