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I. Ideologie, Disziplin,
Strafverfolgung316
Medien. Hierbei kamen auch rassistische Tendenzen zum Tragen. Denn Ge-
walttaten von dunkelhäutigen US-Besatzungssoldaten und „Truppen aus
den Kolonien“ wurden besonders betont.25 „In Salzburg“, hieß es etwa, „wo
sich besonders viele Neger-Einheiten [sic!] aufhalten, ist die Bevölkerung mit
dem Verhalten dieser Truppen unzufrieden.“26 In ähnlicher Weise merkte ein
Mitarbeiter der GlavPURKKA über seine Tournee durch die amerikanische
Besatzungszone an: „Es gibt Fälle von Vergewaltigungen von Frauen, insbe-
sondere seitens der Neger [sic!].“27
Den eigenen Soldaten führte man die Disziplinlosigkeit der „Imperialisten“
als abschreckendes Beispiel vor Augen: „In den Armeen der kapitalistischen
Länder kann weder von Ehre noch von Würde die Rede sein. […] Wohin auch
immer die Armeen der Imperialisten gingen, überall traten sie als Eroberer
und Diebe, als Folterknechte und Unterdrücker der Völker, als Feind ihrer
Freiheit auf.“ Und weiter: „Von ihren Regierungen und Kommandos aufge-
stachelt, trinken amerikanische, britische und französische Soldaten sowie
Offiziere, sie beleidigen die einheimische Bevölkerung, bringen vollkommen
unschuldige Menschen um, randalieren in der Öffentlichkeit.“28 Meldungen
dieser Art sollten den eigenen Besatzungsangehörigen suggerieren, von derar-
tigem Fehlverhalten selbst Abstand zu nehmen und stets auf der Hut zu sein.
Offensichtlich sorgte man sich nicht nur um die Wahrung von Geheimnis-
sen, sondern auch um die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter in puncto Ideolo-
gie. Als besonders große Gefahr galt die Anwerbung sowjetischer Mitarbeiter
durch westliche Nachrichtendienste. Beispielsweise wurden Ende Juli 1946
drei Offiziere auf Verdacht ihres Vorgesetzten hin zur Überprüfung nach
Moskau geschickt, wo sich anscheinend zeigte, dass alle drei vom britischen
Spionagedienst angeworben worden waren.29
25 CAMO, F. 413, op. 10839, d. 46, S. 1–8, hier: S. 7f., Bericht des Leiters der Politabteilung der 57. Ar-
mee, Generalmajor Cinev, an den Leiter der Politabteilung der 3. Ukrainischen Front, Anošin, über
die Lage in Graz, 5.6.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok.
Nr. 26.
26 CAMO, F. 243, op. 2914, d. 100, S. 123–128, hier: S. 124, Bericht des Leiters der Politverwaltung der
3. Ukrainischen Front, Generalleutnant Anošin, über die politische Lage und die Arbeit unter der
Bevölkerung in Graz, Leoben und Mürzsteg und die Einstellung der Österreicher gegenüber der
provisorischen österreichischen Regierung, 17.5.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Ar-
mee in der Steiermark, Dok. Nr. 59.
27 RGASPI, F. 17, op. 128, d. 35, S. 62f., Bericht der 7. Abteilung der Politverwaltung der CGV über die
Lage in der amerikanischen Besatzungszone Österreichs [spätestens am 30.8.1945]; RGASPI, F. 17,
op. 128, d. 35, S. 61, Begleitschreiben von M. Burcev zur Übermittlung des Berichts der 7. Abteilung
der Politverwaltung der CGV über die Lage in der amerikanischen Besatzungszone Österreichs an
G. Dimitrov, 30.8.1945.
28 Materialy k političeskim zanjatijam. Za rubežom rodnoj strany vysoko deržat’ čest’ i dostojnstvo
sovetskogo voina i byt’ osobenno bditel’nym, in: Za čest’ Rodiny, 1.6.1955, S. 5.
29 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 11, S. 149, Bericht des Leiters des Stabes des 2. Schützenbataillons des
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918