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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Erziehung, Disziplinierung, Kontrolle 317 In dieselbe Kerbe schlug auch die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte mit dem programmatischen Titel „Za čest’ Rodiny“ („Für die Ehre der Heimat“), die noch Mitte 1955 einschärfte: „Die sowjetischen Sol- daten dürfen niemals vergessen, dass auf dem Territorium ausländischer Staaten und besonders in Österreich Feinde der Sowjetunion tätig sind – Spi- one, übrig gebliebene Nationalsozialisten [wörtlich: Hitleristen], Agenten amerikanischer, englischer und anderer Nachrichtendienste. Die feindliche Aufklärung ist an den Stationierungsorten unserer Truppen am aktivsten; sie versucht, unsere Leute in einen Sumpf moralischer Verkommenheit zu zie- hen. Jeder Soldat muss an die Raffiniertheit und Arglist der ausländischen Spionagedienste denken und muss stets auf der Hut sein.“30 Die eingemahnte Vorsicht betraf insbesondere auch die Aufbewahrung geheimer Dokumente. Mitte Dezember 1945 wurde ein eigener Befehl über die Wahrung des militärischen Geheimnisses erlassen, worin es einleitend hieß: „Die Lage, in der sich unsere Truppen befinden, erfordert eine maxi- male Steigerung der Vorsicht: Die kläglichen Reste des Feindes haben ihren versteckten Widerstand noch nicht aufgegeben, sie versuchen, jeden unserer Fehler, unsere Fahrlässigkeit und das Nachlassen der Vorsicht für Diversion und Spionage gegen die Rote Armee zu verwenden. Deswegen muss gerade jetzt, unter den Umständen der Dislozierung unserer Armee auf ausländi- schem Territorium, die Wahrung des Militärgeheimnisses und die Steige- rung der Vorsicht für jeden Militärangehörigen zum unumstößlichen Gesetz werden.“31 1.1.2 Das Aufeinanderprallen zweier Welten: Arbeit in der SČSK Besonders eng war der Kontakt bei der gemeinsamen Arbeit im Alliierten Rat. Daher wies die Leitung der SČSK ihre Mitarbeiter streng an, „im Ver- hältnis zu den Alliierten äußerste Wachsamkeit und Vorsicht walten zu las- sen und nicht den Versuchen der Alliierten, mit unseren Leuten besonders ‚freundschaftliche‘, über rein dienstliche Notwendigkeiten hinausgehen- de Beziehungen einzugehen, zu erliegen“.32 Anfangs sahen sich die SČSK- 24. NKVD-Grenzregiments, Hauptmann Lykin, an den Leiter des Stabes des 24. NKVD-Grenzregi- ments über besondere Vorfälle, 31.7.1946. 30 Materialy k političeskim zanjatijam, in: Za čest’ Rodiny. 31 AM 4. GA, Bestand 4. Garde-Armee, Dok. Nr. 21, Befehl Nr. 0188/0192 des Leiters des Stabes der 4. Garde-Armee, Garde-Generalmajor Fomin, über die Wahrung des Militärgeheimnisses, 14.12.1945. 32 AVP RF, F. (0)66, op. 25, p. 118a, d. 2, S. 83f., Schreiben von Kiselev an Molotov über das Interalli- ierte Sekretariat und die Mahnung der SČSK-Mitarbeiter zu besonderer Vorsicht, 31.12.1945. Vgl. dazu: Knoll – Stelzl-Marx, Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission, S. 197f.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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