Seite - 320 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin,
Strafverfolgung320
annahm. Im Vordergrund stand dabei die Tätigkeit der Kommunistischen
Parteiorganisationen, deren „politisch-erzieherische Arbeit unter den Kom-
munisten und parteilosen sowjetischen Bürgern“ in Österreich verbessert
und stärker koordiniert werden sollte. Das ZK der VKP(b) ordnete dazu an,
bei der SČSK ein Parteikomitee einzurichten und ihm die einzelnen Parteior-
ganisationen sowohl der SČSK als auch des Apparates des Politberaters, der
USIA und der Handelsvertretungen zu unterstellen.
Eine der zentralen Aufgaben der Parteiorganisationen hatte in der „Stär-
kung der politischen Wachsamkeit und in der Einhaltung strengster Kons-
piration unter den Bedingungen der Arbeit im Ausland“ zu liegen. Weiters
mussten sie den Leitern sowjetischer Einrichtungen in Österreich bei der
„Stärkung der Staats- und Arbeitsdisziplin unter den Mitarbeitern“ behilflich
sein. Als dritte Aufgabe legte das Politbüro fest, „das Niveau der marxistisch-
leninistischen Ausbildung der Kommunisten [zu heben] und die bolschewis-
tische Erziehung der sowjetischen Bürger im Geist des Patriotismus und der
grenzenlosen Ergebenheit für die sozialistische Heimat“ zu gewährleisten.
Vergehen von Kommunisten, die eine „strenge parteiliche Bestrafung“ nach
sich zogen, durften nicht in Österreich behandelt werden, sondern unterlagen
der Weiterleitung an das ZK der VKP(b). Abschließend erfolgte ein neuer-
licher Verweis auf die „Besonderheiten der Arbeiten der Parteiorganisatio-
nen im Ausland“. Unter diesen Voraussetzungen war der Sekretär des Partei-
komitees dazu verpflichtet, den sowjetischen Hochkommissar in Österreich
laufend über die Tätigkeit der Parteiorganisationen zu informieren und diese
mit ihm abzustimmen.39
Nach der Reform des sowjetischen Besatzungsapparates in Österreich
1951–1952, die auch einen weitreichenden Kaderaustausch auf allen Ebenen
mit sich brachte, legte man besonderen Wert auf die ideologische Einstellung
der Mitarbeiter. Sie erhielten fortan verstärkt marxistisch-leninistische Schu-
lungen, Kurse in deutscher Sprache und Unterweisung zur Stärkung der Ar-
beits- als auch Militärdisziplin. Die Führung der SČSK legte besonderen Wert
auf die politische Vorbereitung und „weitere Festigung der Kader“ sowie
ihre Unterweisung über die politische Lage in Österreich. Zufrieden betonte
der sowjetische Hochkommissar in Österreich, Generalleutnant Vladimir P.
Sviridov, Ende Februar 1953, dass nunmehr beinahe 94 Prozent der SČSK-
Mitarbeiter der Partei- und Komsomolschicht entstammten. Dieser Umstand
würde maßgeblich zur Erhöhung „nicht nur der fachlichen Qualifikation,
39 RGASPI, F. 17, op. 162, d. 45, S. 122f., Politbürobeschluss des ZK der VKP(b) Nr. P 80 (173)-op über
die Gründung eines Parteikomitees der Parteiorganisationen sowjetischer Einrichtungen in Öster-
reich, 3.2.1951.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918