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1. Erziehung, Disziplinierung, Kontrolle 331
trotz aller Selbstkritik Zeichen einer autosuggestiven Realitätsverweigerung.
Beispielsweise sollen im Zug von Leutnant Chalaimov keine gröberen Ver-
stöße vorgekommen sein. Dies führte die Politabteilung darauf zurück, dass
der „vorbildliche“ Leutnant die ihm unterstellten Rotarmisten aktiv geschult
hatte. Er selbst hätte bereits „alle Kapitel des Kurzen Lehrgangs der Geschich-
te der VKP(b)“ gelesen und würde laufend die Werke Lenins und Stalins kon-
sultieren.
Die Politische Abteilung der Truppen sowie die Kommunistische Partei-
und Jugendbewegung Komsomol erhielten die schwierige Aufgabe, Diszi-
plin und politische Einstellung der Soldaten zu optimieren. Dabei setzte man
folgende Schwerpunkte: Erziehung des Mannschaftsstandes zu „grenzenlo-
ser Liebe und Hingabe zum Heimatland“; Erläuterung der „Erfolge unseres
sozialistischen Staates, der Gründe, die uns den Sieg über Hitler-Deutsch-
land sicherten, und der Vorteile unseres sowjetischen Gesellschaftssystems
gegenüber dem kapitalistischen“; Warnung vor den Frauen „des Feindes“,
die über intime Verhältnisse Militär- und Staatsgeheimnisse auskundschaf-
ten wollten, sowie Hinweise auf die Fortsetzung „der subversiven Tätigkeit
der deutschen Nationalsozialisten“. Man erarbeitete mit den Soldaten sowohl
Abb. 39: Die sowjetischen Militärangehörigen sollten gerade während ihres Auslandseinsatzes zu
überzeugten Kommunisten erzogen werden. Fertigstellung eines Stalinporträts für die Komman-
dantur Wien-Floridsdorf im August 1945. (Quelle: AdBIK, Foto: Grünanger)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918