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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 339 -
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1. Erziehung, Disziplinierung, Kontrolle 339 nach Moskau zurückgekehrt. Im Gespräch habe er „einige Fakten“ geäußert, die er, Michailov, nun unbedingt Malenkov unterbreiten müsse. Demnach erhielt das gesamte Regiment Glinkas lediglich sechs Zeitungen, noch dazu mit einer Verspätung von zwei bis drei Wochen. Als einziges Journal stellte man innerhalb mehrerer Monate nur zwei Ausgaben von „Sputnik agitatora“ zur Verfügung. Ähnlich schlecht war es um Bücher bestellt. Filme wurden maximal zweimal pro Monat gezeigt, wobei es sich hierbei um „äußerst alte, meist ausländische“ handelte. Sowjetische Filme neueren Datums drangen überhaupt nicht zu den Männern vor.101 Glinkas Schlussfolgerung lautete, „dass sich die Mängel in der politischen Arbeit, die spärliche und verspätete Information über die Ereignisse in der Hei- mat, äußerst negativ auf den moralischen Zustand der Soldaten auswirken. Es gibt viele Vorfälle von Trunksucht, Beziehungen mit Frauen. Einige Offizie- re sind verlottert, schauen nicht auf sich, ziehen an, was ihnen unterkommt.“ Darüber hinaus verwendeten sie den Treibstoff nicht, wie vorgesehen, für Übungsflüge, sondern für Ausfahrten mit Pkws. In den Dokumenten hingegen vermerkten die Piloten „einige Minuten fiktiver Flüge“, um so den Verbrauch von Kerosin zu rechtfertigen. All dies führte dazu, dass die Piloten nicht die vorgesehenen monatlichen Übungsflüge absolvierten, während die Flugzeug- motoren aufgrund der gefälschten Daten früher ausgetauscht wurden als ei- gentlich notwendig. Michailov schloss seine Berichterstattung mit den Worten: „Als ich darüber Genossen Pupyšev berichtete, antwortete dieser, dass all diese Signale stimmen und die Lage der politischen Arbeit in den Einheiten der Ro- ten Armee, die im Ausland stationiert sind, vieles zu wünschen übrig lässt. Ich erachte es als notwendig, Sie darüber in Kenntnis zu setzen.“102 Bereits am folgenden Tag befasste sich das Sekretariat des ZK der VKP(b) mit der Angelegenheit. Georgij F. Aleksandrov, Chef der Propagandaab- teilung des ZK der VKP(b), Michailov und andere führende Funktionäre erhielten den Auftrag, innerhalb einer Woche „praktische Maßnahmen zur Verbesserung der politischen und kulturellen Arbeit unter den im Ausland stationierten Soldaten der Roten Armee“ auszuarbeiten und dem ZK vorzule- gen.103 Wieweit entsprechende Anordnungen tatsächlich in die Tat umgesetzt wurden, ist nicht überliefert. 101 RGASPI, F. 17, op. 117, d. 543, S. 113f., Schreiben von N. Michailov an G. Malenkov über die man- gelhafte politische Arbeit in der Roten Armee in Österreich, 24.8.1945. 102 Ebd. 103 RGASPI, F. 17, op. 116, d. 228, S. 12, Beschluss Nr. 228 (9) des Sekretariates des ZK der VKP(b), Über die Mitteilungen von Michailov bezüglich der Information des zweifachen Helden der Sowjetunion Glinka über Mängel in der Politarbeit in einigen der im Ausland stationierten Einheiten der Roten Armee, 25.8.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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