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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung340 1.3.3 Politoffiziere Die politischen Offiziere waren die Hauptträger der Agitation und Propa- ganda unter den Truppen. Ihre Position war aus dem einstigen politischen Kommissarwesen hervorgegangen, das seit 1918 in der Roten Armee existiert hatte. Nach mehrfachen Änderungen war am 9. Oktober 1942 per Dekret des Präsidiums des Obersten Sowjets die Struktur der politischen Organe der Ar- mee festgelegt worden, die auch nach Kriegsende gültig sein sollte. Anstelle der Kommissare und politischen Leiter („Politruki“) gab es nun die soge- nannten „Stellvertreter des Kommandeurs für politische Angelegenheiten“ („Zampoliti“). Der „Zampolit“ zeichnete als zweitwichtigster Mann im Re- giment für die Organisation und den Erfolg der gesamten politischen Schu- lung und Parteipropaganda verantwortlich. Das Spektrum reichte von der politischen, kulturellen und militärischen Erziehung über die Sicherung der Kampfmoral bis hin zur Lösung militärischer Aufgaben. Auch für die geisti- ge und materielle Betreuung der Truppe waren die Politoffiziere zuständig. Für das System der gegenseitigen Überwachung und Kontrolle war es bezeichnend, dass sich der weit gefasste Aufgabenbereich eines „Zampolit“ vielfach mit jenem des Kommandeurs überschnitt. Obwohl die „Zampoli- ti“ formell nur dessen Stellvertreter waren, führten sie ihre politische Arbeit selbstständig und nach den Weisungen ihrer eigenen politischen Vorgesetz- ten aus. Außerdem bildeten sie ein separates Korps, das die Masse der Of- fiziere politisch beeinflussen konnte. Wenig überraschend führte diese Art der Bevormundung zu Konflikten mit den militärischen Kommandeuren, die stets an einer Verminderung der Macht der Politoffiziere interessiert waren. Die mehrfache Änderung der Stellung und der Rechte der Politoffiziere in der Sowjetischen Armee ist unter anderem darauf zurückzuführen.104 Die wichtigste Aufgabe der politischen Arbeit innerhalb der sowjetischen Streitkräfte war die ideologische und theoretische Schulung der Offizierska- der. Denn von ihrer marxistisch-leninistischen Bildung und politischen Akti- vität hing die gesamte Erziehungsarbeit der Soldaten und Unteroffiziere ab. In der Regel oblag die politische Schulung der Offiziere höheren „Zampoliti“. Sie wurden selbst periodisch in besonderen Seminaren für ihre Tätigkeit ins- truiert. Die politische Schulung der Offiziere erfolgte in den Offiziersmessen („Dom oficerov“), die nach zaristischem Vorbild mit Vortrags- und Kino- sälen, Klubräumen, Lesezimmern, Bibliotheken, Sporträumen und Restau- rants ausgestattet waren.105 104 Satjukow, Besatzer, S. 134; Kalnins, Agitprop, S. 61. 105 Kalnins, Agitprop, S. 67. Siehe dazu das Kapitel B.III.2.4.1 „Das ‚Haus der Offiziere‘“ in diesem Band.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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