Seite - 345 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Erziehung, Disziplinierung, Kontrolle 345
teizugehörigkeit in diesem Zusammenhang de facto keine wesentliche Rolle
spielte.118 In manchen NKVD-Einheiten waren sogar die Offiziersränge über-
proportional stark an Vergehen beteiligt.119
1.4.1 Ausschlüsse und Verwarnungen
Die Verfehlungen unter den Kommunisten erklärte man unter anderem da-
durch, dass einige Partei- und Komsomolorganisationen während des Krie-
ges „irgendwelche Personen“ aus dem Regiment aufgenommen hätten.120
Ein weiterer Grund liege – so die interne Selbstkritik – in der mangelnden
Vorsicht der Betroffenen im Ausland: Die Kommunisten und Komsomolzen
hätten vergessen, „dass sie sich auf dem Territorium der Feinde befinden,
wo hohe čekistische Aufmerksamkeit herrschen muss“.121 Mehrere Parteimit-
glieder in führender Position verstießen außerdem selbst gegen die Militär-
disziplin. Dies ermöglichte ihren Untergebenen, ihrerseits undiszipliniertes
Verhalten an den Tag zu legen.122 Die „härtesten Maßnahmen“, die Parteior-
ganisationen bei Vergehen ergriffen, bestanden in Verwarnungen bzw. in den
folgenschweren Parteiausschlüssen.123
Generell führten „parteiwidriges Verhalten, mangelnder Diensteifer und
weitere, für einen Kommunisten schmähliche Handlungen“ zu parteilichen
Maßregelungen. Zuständig war dafür die jeweilige Parteikommission der Po-
118 Diese These wird etwa durch die Analyse in folgendem Bericht untermauert: RGVA, F. 32906, op. 1,
d. 156, S. 13–28, hier: S. 16f., Bericht des Kommandeurs des 37. Grenzregiments, Oberst Jaroslavskij,
und des Leiters der Politabteilung, Major Sudakov, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz
des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, über den politisch-moralischen Zustand und
die militärische Disziplin im 37. Grenzregiment im 1. Quartal 1946, 31.3.1946.
119 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 173–178, hier: S. 174, Bericht des Leiters der MVD-Truppen zum
Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Zimin-Kovalev, und des stv. Leiters der Politabteilung,
Oberstleutnant Gončarev, über den politisch-moralischen Zustand der Truppen, 26.7.1946.
120 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 218–264, hier: S. 246–249, Bericht des Kommandeurs des 336.
NKVD-Grenzregiments, Martynov, und des Leiters der Politabteilung des Regiments, Čurkin, an
den Leiter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen
Front, Nanejšvili, über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch-moralischen Zustand
und die Disziplin des Regiments im 2. Quartal 1945 [Juni 1945].
121 RGVA, F. 32907, op. 1, d. 351, S. 38–41, hier: S. 40, Protokoll der Parteiversammlung des 10. NKVD-
Grenzregiments über die Aufgaben der Kommunisten im Kampf gegen amoralische Erscheinun-
gen, 24.8.1945.
122 Ebd.
123 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 218–264, hier: S. 246–249, Bericht des Kommandeurs des 336. NK-
VD-Grenzregiments, Martynov, und des Leiters der Politabteilung des Regiments, Čurkin, an den
Leiter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen
Front, Nanejšvili, über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch-moralischen Zustand
und die Disziplin des Regiments im 2. Quartal 1945 [Juni 1945].
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918