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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung352 Zeitschriften wie „Helden und Marschälle der Sowjetunion“, „Der Sowjet- mensch im Ausland“ oder „Unsere Heimat“ und „Dreifacher Ordensträger- Komsomol“.145 „Als Resultat der durchgeführten Arbeit“, lautete die Schlussfolgerung, „ging die Zahl an Rechtsverstößen unter den Komsomolzen bedeutend zu- rück. Während im zweiten Quartal [1945] 38 Vergehen, darunter zehn amo- ralische Erscheinungen, aufgetreten waren, so gab es im dritten Quartal 32 Delikte, davon fünf amoralische Erscheinungen.“ Ganz zufrieden war man mit diesem Resultat allerdings nicht. Denn trotz der „Erziehung der Kom- somolzen und der übrigen Jugend kommt es noch zu Verstößen gegen die militärische Disziplin“.146 Dies galt umso mehr als Misserfolg der Komsomol- arbeit, als sich gerade die Komsomolzen durch Aktivität, Diszipliniertheit und Gehorsam gegenüber der Partei auszeichnen sollten. Doch offensicht- lich war es gerade im Ausland schwer, ein Musterkomsomolze mit Vor- bildwirkung zu werden. Denn durch das Leben „im Westen“ bemerkten die „Sowjetmenschen“ den Widerspruch zwischen den Verheißungen der marxistisch- leninistischen Theorie und der Praxis der kommunistischen Dik- tatur besonders deutlich.147 Bei all diesen Aktivitäten stand keineswegs das Wohlergehen des Einzel- nen im Vordergrund. Vielmehr galt es, durch politische Arbeit, aber auch durch gegenseitige Bespitzelung und Denunziation eine möglichst hohe mi- litärische Disziplin sowie einen „gesunden politisch-moralischen Zustand“ zu erreichen, was allerdings häufig nicht gelang. So galt auch die strafrecht- liche Verfolgung „amoralischer Erscheinungen“ und diverser Vergehen als Versuch, nicht gänzlich die Kontrolle über die im Ausland stationierten sow- jetischen Militärangehörigen zu verlieren. Vielfach stellten die getroffenen Maßnahmen aber nur einen Tropfen auf den heißen Stein dar. 145 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 360–381, hier: S. 377f., Bericht des Leiters des 336. NKVD-Grenzre- giments, Oberstleutnant Martynov, und des Leiters der Politabteilung, Major Čurkin, an den Leiter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Šukin, über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin des Regiments im 3. Quartal 1945 [Oktober 1945]. 146 Ebd. 147 Kalnins, Agitprop, S. 58.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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