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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 369 -
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 369 legte Lapin dar, er habe diese Flucht aus Angst vor Strafen begangen: „Ich schickte aus dieser Einheit wieder einen Brief an meinen Onkel […], der mir mitteilte, dass für mich eine zweite Benachrichtigung gekommen ist, dass ich aus der Einheit desertiert war. Aus Angst vor einer Bestrafung all meiner Ver- brechen verübte ich eine dritte [richtig: vierte] Desertion aus der Schule für Sanitätsinstrukteure.“211 Nach seiner Festnahme durch die Militärkommandantur in Prag kam La- pin im September 1945 unter dem Namen Zamuraev zu den sowjetischen Besatzungstruppen in Österreich. Doch im Februar 1946 flüchtete er erneut aus seiner Einheit und überquerte illegal die Demarkationslinie zur ameri- kanischen Besatzungszone.212 Lapin dazu: „Am 3. Februar 1946 verriet ich die Heimat und flüchtete in die amerikanische Besatzungszone Österreichs und danach nach Deutschland, wo ich von den Amerikanern für Arbeiten in Berlin angeworben wurde, von wo ich im August 1947 über Frankreich nach Spanien weglief, wo ich bis zum 12. Jänner 1951 im Gefängnis saß.“213 Während seiner Zeit in Spanien soll er, so das Oberste Gericht der UdSSR, der Geheimpolizei Informationen über die sowjetischen Militäreinheiten in Österreich weitergegeben haben. Im Jänner 1951 erhielt Lapin von den spani- schen Behörden die Genehmigung, nach Frankreich „zwecks nachfolgender Repatriierung über die Sowjetische Botschaft Paris in die Heimat“ auszurei- sen. Allerdings versteckte er sich vor den Mitarbeitern des sowjetischen Kon- sulats in Paris, um einer Repatriierung zu entgehen. Offensichtlich wurde er erneut festgenommen und in ein Lager für sowjetische DPs verbracht, wo sei- ne Vergangenheit ans Licht gekommen sein dürfte. Seine Verhaftung erfolgte am 19. April 1951. Das Militärtribunal in Baden verurteilte ihn am 14. August 1951 wegen Vaterlandsverrats zum Tod durch Erschießen. Lapins Appell, dass er all seine Verbrechen „aus Dummheit, Jugend und Unwissenheit“ und wegen seiner tristen Familienverhältnisse begangen habe, stieß auf taube Oh- ren. Nach Ablehnung seines Gnadengesuches im Oktober 1951 wurde das Urteil in Moskau vollstreckt.214 211 GARF, F. 7523, op. 76, d. 45, S. 9–13, hier: S. 10f., Gnadengesuch von Michail Lapin an das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR, 14.8.1951. 212 GARF, F. 7523, op. 76, d. 45, S. 6–8, hier: S. 7, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadenge- such von Michail Lapin, 29.9.1951. 213 GARF, F. 7523, op. 76, d. 45, S. 9–13, hier: S. 11, Gnadengesuch von Michail Lapin an das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR, 14.8.1951. 214 GARF, F. 7523, op. 76, d. 45, S. 6–8, hier: S. 6, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadenge- such von Michail Lapin, 29.9.1951; GARF, F. 7523, op. 76, d. 45, S. 9–13, hier: S. 12, Gnadengesuch von Michail Lapin an das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR, 14.8.1951; AdBIK, Daten- bank verurteilter österreichischer Zivilisten in der UdSSR.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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