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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 374 -
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung374 setzbuches der RSFSR zum Tod durch Erschießen mit Konfiskation seines Ei- gentums. Sein bereits am 4. März vom Militärtribunal des Moskauer Militär- kreises nach Artikel 54-1 des Strafgesetzbuches der UdSSR zum Tod durch Erschießen verurteilter Bruder war zu diesem Zeitpunkt vom Präsidium des Obersten Sowjets bereits zu 15 Jahren Freiheitsstrafe begnadigt worden.228 Doch Nikolaj Polonnikovs Schuld, die nicht zuletzt durch die Aussagen seines Bruders bestätigt schien, wog anscheinend schwerer. Sein Hinweis, er sei we- gen seines jugendlichen Leichtsinns Opfer des amerikanischen Geheimdiens- tes geworden und wäre bereit, sein Vergehen durch Arbeit zu büßen, stieß auf taube Ohren.229 Er wurde am 26. Oktober 1953 in Moskau hingerichtet.230 2.3 Plünderungen, Schwarzmarkt, Trophäen Korruption und Plünderungen waren – vor allem zu Beginn der Besatzungs- zeit – an der Tagesordnung. Dies kam in allen Rangstufen vor, von den ein- fachen Soldaten bis zu den höchsten Generälen. Sowjetoffiziere und Mann- schaften hatten vielfach die Möglichkeit, der österreichischen Bevölkerung Güter abzupressen und sie danach illegal zu verkaufen. So war bei den Rot- armisten die Uhrenliebe sprichwörtlich. Schließlich hatte es im Krieg zu den exklusiven Privilegien der Offiziere gehört, eine Armbanduhr – zumindest prinzipiell – beanspruchen zu dürfen.231 Selbst ein Großteil der NKVD-Of- fiziere besaß Anfang 1945 keine Uhr. Der Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes, Generalmajor Kuznecov, musste sich erst persön- lich an Marschall Malinovskij wenden, um 60 Offizieren für ihre besonderen Verdienste eine der erbeuteten Uhren verleihen zu dürfen.232 Fein säuberlich unterschrieb jeder von ihnen die Empfangsbestätigung.233 Dank des Vormar- sches der Roten Armee konnten sich nun sogar die einfachen Soldaten mit gleich mehreren Uhren schmücken. Doch auch Kleidung, Schmuck, Einrich- tungsgegenstände und Kunstwerke wechselten den Besitzer. Vor allem die Möglichkeit, Pakete in die Sowjetunion zu senden, interpretierten viele als indirekte Aufforderung zum Plündern.234 228 Ebd. 229 GARF, F. 7523, op. 76, d. 162, S. 171f., Gnadengesuch von Nikolaj Polonnikov, 22.5.1953. 230 Herrn Mag. Frank Drauschke, Berlin, danke ich herzlich für diesen Hinweis. 231 Merridale, Iwans Krieg, S. 72. 232 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 383, S. 34, Schreiben des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hin- terlandes der 2. Ukrainischen Front, Generalmajor Kuznecov, an den Kommandanten der 2. Ukrai- nischen Front, Marschall Malinovskij, über die Verteilung von Beuteuhren an Offiziere, 17.2.1945. 233 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 383, S. 35f., Bestätigung über den Empfang von Uhren durch Offiziere der Verwaltung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 2. Ukrainischen Front, 25.2.1945. 234 Siehe dazu auch das Kapitel A.III.6.2 „Beutezüge, Demontagen, Konfiszierungen“ in diesem Band.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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