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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 382 -
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung382 selbst Hüter der Disziplin – griffen häufig selbst zu, wenn sich die Möglich- keit dazu bot. Doch die Soldaten bestahlen sich auch gegenseitig. Immer wieder finden sich Hinweise auf Armeeangehörige, die in die Offizierskantine oder einen Vorratsspeicher einbrachen, um Lebensmittel zu entwenden. Zum Teil waren die Strafen drakonisch: Mit zehn Tagen Karzer wurde etwa ein aus bäuerli- chem Milieu stammender Rotarmist bestraft, der mehrere Laibe Brot hatte stehlen wollen und auf frischer Tat ertappt worden war. Nicht so glimpflich kamen jene fünf Mannschaftssoldaten und Unteroffiziere davon, die Anfang Jänner 1946 in das Lebensmittellager ihres Regiments eingebrochen waren. Nach ihrer Verhaftung durch die „Smerš“ verurteilte das Gericht des Mili- tärtribunals drei von ihnen zu zehn Jahren ITL und zwei zu jeweils drei Jah- ren Gefängnishaft.262 Einen Oberstleutnant, der das Auto seiner Vorgesetzten stehlen wollte, um durch den Verkauf zu Geld zu kommen, verurteilte das Militärtribunal zu drei Jahren ITL.263 Häufig blieb es jedoch bei Disziplinarstrafen, vor allem wenn das Diebes- gut an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden konnte. Bei- spielsweise stieg ein angetrunkener Rotarmist namens Tarasenko am Rück- weg zu seiner Einheit von seinem Pferd ab, ging in ein Haus und entwendete die Taschenuhr des Hausherrn. Anscheinend gab es dafür Zeugen, denn die Uhr wurde wenig später seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben. Ta- rasenko erhielt eine Disziplinarstrafe. Ähnlich verfuhr man auch, wenn – wie im Fall des NKVD-Unterleutnants Tereščenko – Tiere entwendet wurden. Tereščenko „entführte“ im Auftrag eines Majors ein Ferkel, brachte es in eine andere Stadt und verwahrte es dort in einer Wohnung. Das Tier konnte sei- nem Besitzer zurückgegeben werden. Welche Strafe der Unterleutnant und der Major erhielten, ist nicht bekannt.264 derungen unter Angehörigen der Vlasov-Armee, 4.6.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 91. 262 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 156, S. 13–28, hier: S. 15, Bericht des Kommandeurs des 37. Grenzregi- ments, Oberst Jaroslavskij, und des Leiters der Politabteilung, Major Sudakov, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, über den poli- tisch-moralischen Zustand und die militärische Disziplin im 37. Grenzregiment im 1. Quartal 1946, 31.3.1946. 263 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 173–178, hier: S. 174, Bericht des Leiters der MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Zimin-Kovalev, und des stv. Leiters der Politabteilung, Oberstleutnant Gončarev, über den politisch-moralischen Zustand der Truppen, 26.7.1946. 264 RGVA, F. 38756, op. 1, d. 6, S. 140–143, Bericht des Kommandeurs der 66. NKVD-Schützendivision, Generalmajor Bulyga, und des stv. Stabsleiters, Hauptmann Levinenko, an den Kommandeur des 40. NKVD-Grenzregiments über Vergehen von Angehörigen der Roten Armee und der NKVD- Truppen in Rumänien, 16.6.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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