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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung392 „einheimischen Russen“ in diesem Zusammenhang. Andere beteiligten sich auch ohne Verkleidung hemmungslos an den Plünderungen.291 „Es ist trau- rig, festzustellen, dass sich die Wiener, wenn sie auch oft das Aufbrechen der Lager und Lokale den Fremdarbeitern überließen, an der Plünderung lebhaft beteiligten. Nicht nur arme Leute, sondern auch wohlhabende Geschäftsleute verschmähen es nicht, bei Gelegenheit mitzutun. Es ist zum Kotzen“, verwies Josef Schöner in seinen Tagebüchern auf den österreichischen Anteil an den Plünderungen.292 Auch in den NKVD-Berichten fand das Phänomen der österreichischen Partizipation an Plünderungen wie auch deren einseitige Zuordnung mehr- fach ihren Niederschlag. Das sogenannte „feindliche Element“ würde „ver- leumderische, gegen die Rote Armee gezielte Gerüchte“ verbreiten und Di- version, Terror und Erpressung verüben. Zur Diskreditierung der Roten Armee würde das „feindliche Element“ die Uniform von sowjetischen Ar- meeangehörigen anziehen und „unter dem Schein von Rotarmisten plündern, vergewaltigen und morden“.293 Neben dem „reaktionär eingestellten Teil der Bevölkerung“ und dem „verbliebenen faschistischen Element“ traf jedoch auch sowjetische „Banditen“ – Deserteure, DPs und Vaterlandsverräter – die Schuld.294 Außerdem vermutete der sowjetische Nachrichtendienst ehemalige Kriegsgefangene und Angehörige der Vlasov-Armee, die in Wien verblieben waren, hinter den Verbrechen. Als Rotarmisten verkleidet, würden sie „die örtliche Bevölkerung berauben, trinken, Frauen vergewaltigen“.295 Der NKVD versuchte zu eruieren, wer sich hinter diesen „Unbekannten“ versteckte. Denn zusätzlich zu den unzähligen tatsächlichen Übergriffen der eigenen Armeeangehörigen wollte man sich nicht noch fremdes Fehlverhal- ten in die Schuhe schieben lassen, obwohl natürlich das Argument, „feindli- che Elemente“ hätten einen Teil der Verbrechen begangen, auch eine gewisse Entlastung darstellte. Bei den Überfällen in Zügen gelang dies anscheinend: 291 Rathkolb, Besatzungspolitik und Besatzungserleben, S. 196–198. 292 Eva-Marie Csáky – Franz Matscher – Gerald Stourzh (Hg.), Josef Schöner. Wiener Tagebuch 1944/1945. Wien – Köln – Weimar 1992, S. 142. 293 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 166, S. 75–78, hier: S. 75, Bericht des Leiters des Stabes des 24. Grenzregi- ments, Major Galeev, und seines Assistenten, Oberstleutnant Bujal’skij, an den Leiter der NKVD- Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV über die militärische und operative Tätigkeit des Regiments im Dezember 1945, 31.12.1945. 294 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 11, S. 155–162, hier: S. 156, Bericht des Kommandeurs des 24. Grenzregi- ments, Oberst Kapustin, und des bevollmächtigten Leiters des Stabes, Hauptmann Golovačev, an den Leiter der MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV über die militärische und operative Tätigkeit des Regiments mit Stand 1. September 1946 [nach dem 1.9.1946]. 295 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 12, S. 137–139, hier: S. 137, Operative Tagesmeldung des Kommandeurs des 336. NKVD-Grenzregiments, Oberstleutnant Martynov, und des Leiters des Stabes, Major Buškov, 5.5.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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